Was ist eine Longevity-Klinik und was macht sie?
Eine Longevity-Klinik ist eine Privatpraxis oder ein privates Zentrum für gesunde Menschen ohne akute Beschwerden. Sie misst dich durch, um Risiken früh zu sehen. Aus den Ergebnissen baut sie ein Programm: Training, Ernährung, Schlaf, manchmal Medikamente und oft Supplements. Der Begriff ist nicht geschützt. Jede Praxis darf sich Longevity-Klinik, Longevity-Zentrum oder Longevity-Praxis nennen, egal wer dort arbeitet.
Bischof und Kollegen beschrieben Longevity-Medizin 2021 in The Lancet Healthy Longevity als Prävention, die auf der Biologie des Alterns aufsetzt: Alterungsprozesse messen, bevor eine Krankheit entsteht, um gezielt gegenzusteuern. Sie merkten auch an, dass die meisten Ärztinnen und Ärzte dafür bisher gar nicht ausgebildet werden [1]. Longevity-Medizin ist also eine junge Disziplin ohne Facharzttitel, keine etablierte Fachrichtung wie Kardiologie.
Das steckt typischerweise in einem Paket:
- Erweitertes Blutbild: ApoB (ein Maß für die Zahl der Cholesterin-Partikel, die Gefäße verstopfen können), Lp(a) (ein vererbtes Cholesterin-Partikel), HbA1c (Blutzucker im Schnitt der letzten drei Monate), Nüchterninsulin, hs-CRP (ein Marker für stille Entzündung), Schilddrüse, Sexualhormone, Vitamine, oft 50 bis 100 Parameter
- Körperzusammensetzung per DEXA, einer Röntgenmessung mit sehr niedriger Dosis: Fettmasse, Muskelmasse, Knochendichte
- VO2max per Spiroergometrie: die Ausdauerleistung, gemessen unter Belastung mit Atemmaske
- Blutdruck, Ruhe-EKG, oft ein Ultraschall der Halsschlagadern (die letzten beiden bewertet der IGeL-Monitor als Screening ohne Beschwerden mit „tendenziell negativ“ [13, 14])
- CGM: ein Glukosesensor am Arm für zwei Wochen
- Epigenetischer Alterstest aus Blut oder Speichel, der dein biologisches Alter aus chemischen Markierungen an der DNA schätzt
- Teurere Pakete: Ganzkörper-MRT, Koronar-CT, Gentests, Mikrobiom
- Danach: Arztgespräch, schriftlicher Plan, Coaching, häufig Supplements aus dem eigenen Sortiment, bei Jahresmitgliedschaften Folgetermine und Wiederholungsmessungen
Nichts davon ist exotisch. Etwa die Hälfte bekommst du beim Hausarzt oder in einem Labor um die Ecke. Der eigentliche Wert einer Klinik liegt nicht in den Tests, sondern in der Zusammenschau und dem Plan danach. Genau dafür solltest du zahlen, wenn du zahlst.
Was kostet eine Longevity-Klinik 2026? Pakete, Mitgliedschaften und Einzeltests
Rechne mit grob 1.500 bis 5.000 € für einen einmaligen Check-up und 5.000 bis 20.000 € oder mehr pro Jahr für eine Mitgliedschaft. Die Spanne ist mit Absicht breit, weil es kein festes Produkt gibt. Jeder Anbieter schnürt ein anderes Paket. Der Preis hängt vor allem davon ab, ob ein Ganzkörper-MRT, Gentests oder eine Liquid Biopsy (ein Bluttest auf Spuren von Tumor-DNA) drin sind.
Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Jeder Test ist eine eigene Ziffer, deren Grundgebühr die Ärztin mit einem Faktor steigern darf. Meist fasst die Klinik das zu einem Paketpreis zusammen [10]. Eine eigene GOÄ-Ziffer für Longevity gibt es nicht. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt keinen dieser Bausteine als Vorsorge, private Versicherungen erstatten je nach Tarif einzelne Positionen, wenn eine medizinische Begründung vorliegt.
| Angebot | Typische Spanne, je nach Anbieter | Zahlt die gesetzliche Kasse? |
|---|---|---|
| Einmaliger Longevity-Check-up (Blut, DEXA, VO2max, Gespräch) | 1.500 bis 5.000 € | Nein |
| Check-up mit Ganzkörper-MRT, Gentests oder Liquid Biopsy | 5.000 bis 20.000 € | Nein |
| Jahresmitgliedschaft mit Folgeterminen | 5.000 bis 20.000 € und mehr | Nein |
| Wochenprogramm mit Aufenthalt (Schweiz) | rund 48.000 bis über 117.000 Franken [12] | Nein |
| Erstgespräch in einer Longevity-Praxis | 200 bis 500 € | Nein |
| Erweitertes Blutbild einzeln | 150 bis 450 € | Nein, IGeL (Selbstzahlerleistung) |
| Spiroergometrie (VO2max) | 80 bis 250 € | Nur mit kardiologischer Indikation |
| DEXA-Messung | 50 bis 200 € | Nur bei Osteoporose-Verdacht |
| Epigenetischer Alterstest | 100 bis 500 € | Nein |
| Ganzkörper-MRT | 800 bis 2.000 € | Nein, als Routine-Screening |
| Check-up 35 beim Hausarzt | 0 € | Ja, ab 35 alle drei Jahre |
Der Check-up 35 ist die kostenlose Basis: Anamnese, Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Urin, alle drei Jahre ab 35 (einmalig zwischen 18 und 35, Blutwerte dann nur bei Risikofaktoren), festgelegt in der Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie des G-BA [8]. Er deckt einen Teil dessen ab, was eine Longevity-Klinik dir im Paket verkauft.
In der Schweiz liegen die Preise höher. In Zürich beginnen Check-ups bei rund 1.850 Franken. Eine vollständige Abklärung kostet etwa 3.000 Franken, Top-Check-ups bis 14.500 Franken. Ein 12-Monats-Programm liegt bei rund 5.000 Franken. Luxusprogramme mit Aufenthalt kosten pro Woche etwa 48.000 bis über 117.000 Franken [12]. Die Grundversicherung zahlt Check-ups für Gesunde nicht, Zusatzversicherungen manchmal einen Anteil an Vorsorgeleistungen.
Willst du wiederholt messen, zahlst du in der Mitgliedschaft meist weniger als für zwei Einzel-Check-ups. Willst du nur einmal wissen, wo du stehst, fährst du mit Einzeltests fast immer günstiger. Mehr zur Aufteilung Kasse gegen Selbstzahler steht im Selbstzahler-Ratgeber.
Was ist belegt und was nicht?
Keine einzige Studie zeigt, dass ein Longevity-Klinik-Programm Menschen länger leben lässt. Die Programme sind zu neu, zu unterschiedlich und zu klein, um das zu messen. Wer dir etwas anderes verspricht, verkauft.
Selbst die Idee des großen Check-ups hat ein Problem. Eine Cochrane-Analyse von 2019 hat 17 randomisierte Studien mit rund 250.000 Teilnehmenden zusammengerechnet. Allgemeine Gesundheitschecks für Erwachsene senkten weder die Gesamtsterblichkeit noch die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs [2]. Die Studien sind älter und die Checks darin einfacher als ein heutiges Longevity-Paket. Aber sie sind die beste Evidenz, die es zum Screening gesunder Menschen gibt. Und das Ergebnis ist ernüchternd.
Was dagegen gut belegt ist, sind die Marker einer guten Longevity-Klinik und die Gewohnheiten, die sie verändern will:
- VO2max: Bei 122.007 Patientinnen und Patienten, die in einer US-Klinik einen Laufbandtest machten, war niedrige Fitness mit einer höheren Sterblichkeit verbunden als Rauchen oder Diabetes. Eine Obergrenze, ab der mehr Fitness nichts mehr brachte, fand die Studie nicht [3].
- Handkraft: In der PURE-Studie mit rund 140.000 Menschen aus 17 Ländern ging jedes Minus von 5 kg Handkraft mit 16 Prozent höherer Gesamtsterblichkeit einher [4].
- ApoB und LDL: Die ESC/EAS-Leitlinie stuft LDL-Cholesterin als ursächlich für Arteriosklerose ein und nennt ApoB als besseres Maß für die Zahl der schädlichen Partikel [5].
- Lp(a): Die EAS empfiehlt, den Wert einmal im Leben zu messen, weil er genetisch festgelegt ist und das Herz-Kreislauf-Risiko unabhängig von LDL erhöht [6].
- Blutdruck, Rauchen, Cholesterin, Bewegung, Gewicht: Die ESC-Präventionsleitlinie 2021 schätzt dein 10-Jahres-Risiko aus Alter, Geschlecht, Rauchen, Blutdruck und Cholesterin. Für Bewegung, Ernährung und Gewicht setzt sie eigene Ziele [7].
Das ist der Punkt, den du dir merken solltest. Die Klinik hat keinen Beweis für ihr Programm, aber die Marker darin haben ihn. Ein fairer Verkaufsgrund einer Longevity-Klinik ist deshalb nicht "wir verlängern dein Leben". Er lautet: "Wir bringen dich schneller und konsequenter zu den Dingen, die belegt sind." Ob dir das mehrere tausend Euro wert ist, hängt davon ab, ob du es ohne Klinik auch schaffst.
Dieselben Zahlen für ein Zehntel: die Selbstbau-Variante
Du kannst den Kern eines Longevity-Check-ups für rund 180 bis 450 € selbst zusammenstellen. So sieht die Rechnung aus:
| Baustein | Woher | Kosten |
|---|---|---|
| Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Urin, Anamnese | Check-up 35 beim Hausarzt [8] | 0 € |
| ApoB, Lp(a), hs-CRP, HbA1c, Nüchterninsulin, Ferritin, Vitamin D | Hausarzt als IGeL oder Labor als Selbstzahler | 100 bis 200 € |
| VO2max per Spiroergometrie | Sportmedizinische Praxis | 80 bis 250 € |
| VO2max-Schätzung vorab | VO2max-Rechner | 0 € |
| Handkraft | Handkraft-Rechner mit Dynamometer (30 bis 40 € einmalig) | 0 bis 40 € |
| Insulinresistenz | HOMA-IR-Rechner aus Nüchterninsulin und Glukose | 0 € |
| Biologisches Alter, Schätzung | Longevity-Test und Gesichtsalter-Test | 0 € |
| DEXA, optional | Radiologie oder Sportmedizin | 50 bis 200 € |
Summe: rund 180 bis 450 € für Blut, Check-up und VO2max. Ein Dynamometer kommt einmalig mit bis zu 40 € dazu, DEXA mit 50 bis 200 €. Ein typisches Klinikpaket kostet 1.500 bis 5.000 €. Du landest also bei etwa einem Zehntel, in der Sparvariante sogar darunter.
Was dir in dieser Variante fehlt, ist die Zusammenschau. Deine Hausärztin kann die Werte einordnen. Komm dafür mit einer konkreten Frage zu ihr: Wie hoch ist mein Herz-Kreislauf-Risiko? Was folgt aus meinem ApoB? Mein Lp(a) ist hoch, was jetzt? Der ApoB- und Lp(a)-Ratgeber hilft dir, die Frage zu formulieren. Reicht dir das nicht, buch ein einzelnes Erstgespräch in einer Longevity-Praxis für 200 bis 500 € und bring deine Werte mit. Auch das liegt noch weit unter einem Paketpreis.
Ein Kliniktest, der in dieser Liste fehlt, ist der epigenetische Alterstest. Er kostet 100 bis 500 € extra. Ob du ihn brauchst, ist eine eigene Frage. Der Ratgeber zu epigenetischen Tests und der Ratgeber zum biologischen Alterstest gehen darauf ein. Kurzfassung: nett zu wissen, ändert aber selten, was du tun solltest.
Woran du einen seriösen Anbieter erkennst
Weil der Begriff nicht geschützt ist, musst du selbst prüfen. Diese Punkte trennen ernsthafte Longevity-Medizin von einem teuren Supplement-Shop mit Blutabnahme:
1. Ärztliche Leitung mit Facharzttitel. Innere Medizin, Allgemeinmedizin, Kardiologie, Endokrinologie oder Sportmedizin sind die passenden Hintergründe. Sportmedizin und Ernährungsmedizin sind Zusatzbezeichnungen nach der Weiterbildungsordnung der Ärztekammern, mit Prüfung [11]. Präventivmedizin ist dagegen nur eine curriculare Fortbildung, also ein Kurs, keine Zusatzbezeichnung. Ein Heilpraktiker darf kein Longevity-Arzt sein, auch wenn die Website so klingt.
2. Die Marker mit Evidenz stehen im Zentrum. ApoB, Lp(a), HbA1c, Blutdruck, VO2max, Kraft, Körperzusammensetzung. Wer stattdessen mit Mikrobiom-Panels, Schwermetall-Screenings und 200 Parametern wirbt, misst viel und weiß wenig.
3. Keine Supplements als Geschäftsmodell. Empfehlungen sind in Ordnung, wenn ein Mangel gemessen wurde. Ein eigener Shop mit Monatsabo, das im Programm schon eingepreist ist, ist ein Interessenkonflikt.
4. Keine unbelegten Therapien als Kernangebot. NAD+-Infusionen, Stammzellen, Ozon, Blutwäsche, Vitamin-Infusionen ohne Mangel: Für keine davon gibt es einen Beleg, dass sie das Altern bremsen. Ein Anbieter darf so etwas anbieten. Wenn es das Zentrum des Programms ist, geh. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet Selbstzahlerleistungen unabhängig [9]. Für keine dieser Therapien gibt es dort eine Bewertung, die einen Nutzen fürs Altern zeigt. Auch klassische Paketbausteine schneiden schwach ab: Ultraschall der Halsschlagadern und Ruhe-EKG bei Menschen ohne Beschwerden bewertet er mit „tendenziell negativ“ [13, 14].
5. Transparente Preise vor dem Termin. Schriftlich, mit Aufschlüsselung nach GOÄ [10]. Wer erst im Gespräch über Geld reden will, hat einen Grund dafür.
6. Befunde mit Referenzbereichen und Konsequenz. Ein guter Bericht sagt dir, dass dein Lp(a) hoch ist. Er sagt dir auch, was das für dich heißt und was daraus folgt. Ein Test ohne Konsequenz ist Geld für Angst.
7. Der Bericht geht an deinen Hausarzt. Wer deine Daten nicht teilt, will dich binden, nicht behandeln.
Ein guter Gegencheck: Frag, was der Anbieter nicht anbietet und warum. Eine ehrliche Antwort klingt nach "Ganzkörper-MRT machen wir bei deinem Risiko nicht, weil die falsch-positiven Befunde mehr schaden als nutzen". Eine unehrliche klingt nach "alles ist möglich".
Longevity-Klinik und Longevity-Arzt in deiner Stadt: Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Köln, Zürich, Wien
Wir führen bewusst kein Verzeichnis und empfehlen keine Klinik. Was es in den großen Städten in etwa gibt, damit du weißt, wonach du suchst:
Berlin hat die dichteste Szene in Deutschland: mehrere spezialisierte Longevity-Zentren mit Paketpreisen, dazu Privatpraxen für Innere Medizin und Sportmedizin, die Longevity-Check-ups ohne das Label anbieten. Die Spanne reicht vom Einzel-Check-up unter 2.000 € bis zur Jahresmitgliedschaft im hohen vierstelligen Bereich. Ob es einen Longevity-Arzt in Berlin gibt, beantwortet die FAQ auf der Berlin-Seite.
München hat viele sportmedizinische und kardiologische Privatpraxen, die Spiroergometrie, DEXA und erweiterte Blutbilder einzeln anbieten, dazu einige Privatkliniken mit Vorsorgeprogrammen. Der Weg über Einzeltests ist hier besonders einfach. Mehr auf der München-Seite.
Hamburg liegt zwischen Berlin und München: einige Praxen mit Longevity-Fokus, viele Privatpraxen mit Check-up-Paketen, gute Abdeckung bei Sportmedizin. Details auf der Hamburg-Seite.
Frankfurt hat wegen der Banken eine lange Tradition von Executive-Check-ups in Privatkliniken. Die laufen oft unter dem alten Namen, enthalten aber ähnliche Bausteine wie ein Longevity-Paket und kosten ähnlich. Siehe Frankfurt-Seite.
Köln und das Rheinland haben eine dichte Versorgung mit sportmedizinischen Praxen und Radiologien, die DEXA und Spiroergometrie als Selbstzahlerleistung anbieten, dazu erste spezialisierte Longevity-Praxen in Köln und Düsseldorf. Mehr auf der Köln-Seite.
Zürich ist neben der Genferseeregion das Schweizer Zentrum. Mehrere Longevity-Kliniken bieten Check-ups ab rund 1.850 Franken an, ein 12-Monats-Programm kostet rund 5.000 Franken. Am oberen Ende liegen Luxusprogramme pro Woche im fünf- bis sechsstelligen Bereich [12]. Siehe Zürich-Seite.
Wien und die österreichischen Alpen: Longevity-Praxen in Wien sowie Gesundheits-Retreats mit Aufenthalt in den Alpenregionen. Longevity-Pakete zahlst du auch dort selbst, wie in Deutschland. Die öffentliche Basis ist breiter als hier: Alle mit Wohnsitz in Österreich können ab 18 einmal pro Jahr zur Vorsorgeuntersuchung [15].
Wenn du in einer Stadt wohnst, die hier nicht steht: Die Kombination aus Hausarzt, sportmedizinischer Praxis und einem Labor deckt den Kern in jeder Stadt ab 100.000 Einwohnern ab.
Wann lohnt sich eine Longevity-Klinik wirklich?
Eine Longevity-Klinik lohnt sich, wenn du dir sicher bist, dass du die belegten Dinge ohne Struktur nicht tust und das Geld dich nicht schmerzt. Für alle anderen ist die Selbstbau-Variante die bessere Wette.
Es kann sich lohnen, wenn:
- du ein konkretes Risiko hast (familiäre Herzerkrankung, hohes Lp(a), Prädiabetes) und eine strukturierte Begleitung mit Wiederholungsmessungen willst
- du weißt, dass du Dinge nur mit Termin und Rechenschaft durchziehst
- du alles aus einer Hand willst und der Preis für dich keine Rolle spielt
- du bereits den Check-up 35 und die Selbstbau-Marker hast und jetzt die ärztliche Einordnung suchst
Es lohnt sich nicht, wenn:
- du erwartest, dass das Programm dein Leben verlängert. Das ist nicht belegt [2]
- das Kernangebot aus Infusionen, Stammzellen oder Supplements besteht
- du den kostenlosen Check-up 35 noch nie gemacht hast. Fang dort an
- du nur einmal wissen willst, wo du stehst. Dafür reichen Einzeltests
Der Unterschied zu Anti-Aging ist dabei wichtig. Anti-Aging zielte historisch auf Aussehen und Symptome: Haut, Hormone, Wohlbefinden. Longevity-Medizin zielt auf messbare Risikofaktoren für Krankheit und Tod [1]. Eine gute Longevity-Klinik redet über ApoB und VO2max. Eine Anti-Aging-Praxis redet über Falten und Energie. Beides darf sich heute Longevity nennen, deshalb hilft nur der Blick auf das Programm.
Und wenn du dich für eine Klinik entscheidest: Nimm die Werte mit nach Hause, teile sie mit deinem Hausarzt und miss die günstigen Marker weiter selbst. Die Klinik ist ein Werkzeug, nicht der Plan.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet eine Longevity-Klinik in Deutschland?
Das hängt vom Anbieter ab. Ein einmaliger Check-up mit Blutbild, DEXA, VO2max und Arztgespräch kostet grob 1.500 bis 5.000 €. Mit Ganzkörper-MRT, Gentests oder Liquid Biopsy sind es 5.000 bis 20.000 €. Eine Mitgliedschaft mit Folgeterminen kostet 5.000 bis 20.000 € oder mehr pro Jahr. Einzeltests kosten deutlich weniger: Spiroergometrie 80 bis 250 €, DEXA 50 bis 200 €, epigenetischer Alterstest 100 bis 500 €. Abgerechnet wird nach GOÄ [10].
Warum kostet ein Longevity-Check-up so viel mehr als der Check-up 35?
Weil er viel mehr misst. Der Check-up 35 ist ein kurzer Hausarzttermin alle drei Jahre mit Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und Urintest, bezahlt von der gesetzlichen Kasse [8]. Ein Klinikpaket ergänzt 50 bis 100 Blutwerte, DEXA, Spiroergometrie, manchmal ein MRT sowie viel mehr Arztzeit. Abgerechnet wird privat nach GOÄ mit Steigerungsfaktor [10]. Mehr Daten heißt aber nicht mehr Nutzen: Allgemeine Gesundheitschecks haben die Sterblichkeit nicht gesenkt [2].
Zahlt die Krankenkasse einen Longevity-Check-up?
Nein. Die gesetzliche Kasse zahlt ab 35 alle drei Jahre den Check-up beim Hausarzt: Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutdruck, Cholesterin, Nüchternblutzucker und Urintest, dazu einmalig ein Screening auf Hepatitis B und C [8]. Zwischen 18 und 35 gibt es den Check einmal, Blutwerte dann nur bei Risikofaktoren wie familiärer Vorbelastung, Übergewicht oder Bluthochdruck. Alles andere zahlst du selbst, auch ApoB, Lp(a), DEXA oder Spiroergometrie ohne medizinische Indikation. Private Versicherungen erstatten je nach Tarif einzelne Positionen, wenn ein Arzt sie begründet, fast nie das ganze Paket.
Lohnt sich eine Longevity-Klinik?
Nur in manchen Fällen. Kein Klinikprogramm hat bisher gezeigt, dass es das Leben verlängert. Allgemeine Gesundheitschecks senkten in einer Cochrane-Analyse von 17 Studien die Sterblichkeit nicht [2]. Die Marker im Paket sind dagegen belegt: VO2max [3], Handkraft [4], ApoB [5], Lp(a) [6], Blutdruck [7]. Eine Klinik lohnt sich, wenn du ein konkretes Risiko hast und strukturierte Begleitung brauchst. Willst du nur wissen, wo du stehst, reichen Einzeltests für rund 180 bis 450 €.
Gibt es Longevity-Ärzte in Berlin, München oder Hamburg?
Ja, in allen drei Städten gibt es spezialisierte Longevity-Praxen und Zentren, in Berlin am meisten. Dazu kommen in jeder Stadt Privatpraxen für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin, die dieselben Tests ohne das Label anbieten. Wir führen bewusst kein Verzeichnis. Die Stadtseiten für [Berlin](/de/city/berlin), [München](/de/city/munich) und [Hamburg](/de/city/hamburg) beantworten die Frage in ihren FAQ und zeigen dir die lokale Community.
Was ist der Unterschied zwischen Longevity-Medizin und Anti-Aging?
Anti-Aging zielte historisch auf Aussehen und Symptome: Haut, Hormone, Energie. Longevity-Medizin zielt auf messbare Risikofaktoren für Krankheit und Tod, gestützt auf die Biologie des Alterns [1]. Praktisch erkennst du den Unterschied am Programm: ApoB, Lp(a), VO2max und Kraft sind Longevity. Falten, Hormon-Cocktails und Infusionen sind Anti-Aging, auch wenn das Schild etwas anderes sagt.
Brauche ich einen Longevity-Arzt oder reicht der Hausarzt?
Für die meisten reicht der Hausarzt plus ein paar Selbstzahler-Marker. Der Check-up 35 ist kostenlos, ApoB, Lp(a), hs-CRP und HbA1c kosten als IGeL 100 bis 200 €. Dein Hausarzt kann sie einordnen, wenn du mit einer konkreten Frage kommst. Ein Longevity-Arzt lohnt sich, wenn du ein spezielles Risiko hast, eine strukturierte Begleitung willst oder die ärztliche Zusammenschau suchst, die der 10-Minuten-Termin nicht hergibt. Ein einzelnes Erstgespräch für 200 bis 500 € ist dafür der günstige Einstieg.
Was kostet ein Longevity-Arzt?
Ein Erstgespräch in einer Longevity-Praxis kostet grob 200 bis 500 €, privat abgerechnet nach GOÄ [10]. Ein kompletter Check-up mit Blutbild, DEXA und VO2max liegt bei 1.500 bis 5.000 €. Eine Jahresmitgliedschaft mit Folgeterminen kostet 5.000 bis 20.000 € oder mehr. Die gesetzliche Kasse zahlt davon nichts. Private Versicherungen erstatten einzelne Positionen, wenn ein Arzt sie medizinisch begründet. Am günstigsten: Bring deine eigenen Werte zu einem einzigen Gespräch mit.
Welche Tests lohnen sich wirklich?
Die mit belegtem Zusammenhang zur Sterblichkeit: VO2max [3], Handkraft [4], ApoB und LDL [5], Lp(a) einmal im Leben [6], dazu Blutdruck, HbA1c und Körperzusammensetzung [7]. Der Kern (Blut, Check-up 35, VO2max) kostet rund 180 bis 450 €. Dynamometer und DEXA kommen mit bis zu 240 € dazu. Schwächer belegt und teurer sind epigenetische Alterstests, Mikrobiom-Panels und das Ganzkörper-MRT bei niedrigem Risiko. Bevor du eine Selbstzahlerleistung buchst, schau sie im IGeL-Monitor nach [9].
Was ist mit Longevity-Kliniken in der Schweiz?
Die Schweiz hat zwei Zentren: Zürich und die Genferseeregion. In Zürich beginnen Check-ups bei rund 1.850 Franken, Top-Check-ups kosten bis 14.500 Franken, ein 12-Monats-Programm rund 5.000 Franken. Am oberen Ende verkaufen Privatkliniken Wochenprogramme für etwa 48.000 bis über 117.000 Franken [12]. Die Grundversicherung zahlt Check-ups für Gesunde nicht, manche Zusatzversicherungen einen Anteil an Vorsorgeleistungen. Die Evidenzlage ist dieselbe wie in Deutschland: belegte Marker, unbelegtes Programm. Mehr auf der [Zürich-Seite](/de/city/zurich).
Was ist mit Longevity-Kliniken in Österreich?
Österreich hat Longevity-Praxen in Wien sowie Gesundheits-Retreats in den Alpenregionen. Longevity-Pakete zahlst du auch dort selbst. Die öffentliche Basis ist breiter als in Deutschland: Alle mit Wohnsitz in Österreich können ab 18 einmal pro Jahr zur Vorsorgeuntersuchung [15]. Fang dort an. Ergänze dann ApoB, Lp(a) und einen VO2max-Test als Selbstzahler. Die Evidenz ist überall dieselbe: belegte Marker, unbelegtes Programm [2].
Wie erkenne ich unseriöse Angebote?
An vier Zeichen. Keine ärztliche Leitung mit Facharzttitel. Ein Kernangebot aus NAD+-Infusionen, Stammzellen, Ozon oder Supplements. Keine Preise vor dem Termin. Befunde ohne Referenzbereiche oder Konsequenz. Seriöse Anbieter messen die Marker mit Evidenz, rechnen transparent nach GOÄ ab [10], erklären dir die Konsequenzen aus den Werten und schicken den Bericht an deinen Hausarzt. Frag außerdem, was der Anbieter bewusst nicht anbietet. Wer alles anbietet, wählt nicht aus.
Welche ist die beste Longevity-Klinik in Europa?
Ein Ranking mit Ergebnisdaten gibt es nicht, weil keine Klinik gezeigt hat, dass ihr Programm das Leben verlängert [2]. Beurteile eine Klinik deshalb danach, was sie misst und wie sie arbeitet: ärztliche Leitung mit Facharzttitel [11], belegte Marker wie ApoB, Lp(a), VO2max und Blutdruck im Zentrum, aufgeschlüsselte Preise vor dem Termin [10], keine Infusionen oder Supplements als Kernangebot, ein Bericht an deinen Hausarzt. Einzelne Kliniken empfehlen wir bewusst nicht.
Quellen
- Bischof E, Scheibye-Knudsen M, Siow R, Moskalev A. (2021). Longevity medicine: upskilling the physicians of tomorrow. The Lancet Healthy Longevitydoi:10.1016/S2666-7568(21)00024-6
- Krogsbøll LT, Jørgensen KJ, Gøtzsche PC. (2019). General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease. Cochrane Database of Systematic Reviewsdoi:10.1002/14651858.CD009009.pub3
- Mandsager K, Harb S, Cremer P, Phelan D, Nissen SE, Jaber W. (2018). Association of Cardiorespiratory Fitness With Long-term Mortality Among Adults Undergoing Exercise Treadmill Testing. JAMA Network Opendoi:10.1001/jamanetworkopen.2018.3605
- Leong DP, Teo KK, Rangarajan S, et al.. (2015). Prognostic value of grip strength: findings from the Prospective Urban Rural Epidemiology (PURE) study. The Lancetdoi:10.1016/S0140-6736(14)62000-6
- Mach F, Baigent C, Catapano AL, et al.. (2020). 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. European Heart Journaldoi:10.1093/eurheartj/ehz455
- Kronenberg F, Mora S, Stroes ESG, et al.. (2022). Lipoprotein(a) in atherosclerotic cardiovascular disease and aortic stenosis: a European Atherosclerosis Society consensus statement. European Heart Journaldoi:10.1093/eurheartj/ehac361
- Visseren FLJ, Mach F, Smulders YM, et al.. (2021). 2021 ESC Guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice. European Heart Journaldoi:10.1093/eurheartj/ehab484
- Gemeinsamer Bundesausschuss. (2021). Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie (Check-up ab 35)
- Medizinischer Dienst Bund. (2026). IGeL-Monitor, Bewertung von Selbstzahlerleistungen
- Bundesministerium der Justiz. (2023). Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ)
- Bundesärztekammer. (2026). (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018, Zusatz-Weiterbildungen Sportmedizin und Ernährungsmedizin
- Davis Plüss J, SWI swissinfo.ch. (2025). Longevity-Kliniken: moderne Quacksalberei oder Schlüssel zum gesunden Altern?
- Medizinischer Dienst Bund. (2021). Ultraschall der Halsschlagadern zur Schlaganfallvorsorge (IGeL-Monitor: tendenziell negativ, Aktualisierung 2021)
- Medizinischer Dienst Bund. (2017). EKG zur Früherkennung einer koronaren Herzerkrankung (IGeL-Monitor: tendenziell negativ)
- Gesundheitsportal Österreich. (2026). Vorsorgeuntersuchung
Erfahrungen mit Longevity-Kliniken und Laboren teilen
In der Longevity Cities Community erzählen Mitglieder, welche Praxen und Labore sie genutzt haben, was es wirklich gekostet hat und was sie beim nächsten Mal anders machen würden. Ehrlich, ohne Verkaufsdruck.
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Erstellt von Maurice Lichtenberg, Gründer, Longevity Cities
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