GLP-1 und Longevity

Semaglutid, Tirzepatid und die Longevity-Frage. Was die Evidenz heute wirklich hergibt.

Geprüft von Maurice Lichtenberg, Gründer, Longevity Cities · Letzte Aktualisierung

Aktualisiert am · 10 Min. Lesezeit

Diese Inhalte dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere immer einen qualifizierten Arzt, bevor du Änderungen an deiner Ernährung, deinem Trainingsprogramm oder deiner Nahrungsergänzung vornimmst.

Was sind GLP-1-Agonisten?

Kurz gesagt: GLP-1-Agonisten sind im Labor gebaute Kopien eines Sättigungshormons. Du spritzt sie einmal pro Woche. Sie helfen beim Abnehmen und schützen bei Risikopatienten zusätzlich Herz und Nieren.

GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) ist ein Hormon, das dein Körper selbst herstellt. Dein Darm schüttet es nach dem Essen aus. Es sagt deinem Gehirn, dass du satt bist. Gleichzeitig bremst es die Magenentleerung und reguliert dein Insulin.

GLP-1-Agonisten ahmen dieses Signal nach und bleiben deutlich länger im Körper. Die wichtigsten Wirkstoffe:

  • Semaglutid, Handelsname Ozempic (Diabetes) bzw. Wegovy (Adipositas). Wöchentliche Spritze.
  • Tirzepatid, in der EU als Mounjaro für Typ-2-Diabetes und für Adipositas zugelassen. In den USA heißt das Adipositas-Präparat Zepbound, das in der EU nicht vermarktet wird. Tirzepatid wirkt auf zwei Sättigungsrezeptoren (GLP-1 und GIP) statt nur auf einen.
  • Liraglutid, die ältere Variante mit täglicher Spritze.

Ursprünglich waren diese Medikamente für Typ-2-Diabetes gedacht. Der Gewichtsverlust in den Studien war aber so deutlich (10 bis 22 Prozent des Körpergewichts in Phase-3-Studien), dass sie heute auch für Adipositas zugelassen sind.

Die eigentliche Longevity-Frage ist davon getrennt: Leben Menschen mit diesen Wirkstoffen länger oder gesünder, über den reinen Gewichtsverlust hinaus?

Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. GLP-1-Agonisten sind verschreibungspflichtig und bringen reale Risiken mit. Sprich mit deinem Arzt, bevor du eine Therapie beginnst oder absetzt.

Macht Abnehmen automatisch ein längeres Leben?

Nein. Abnehmen und länger leben sind nicht dasselbe, auch wenn beides in der Praxis oft zusammen auftritt.

Langzeit-Beobachtungsstudien zeigen: Adipositas (BMI über 30) kostet mehrere Lebensjahre. Gezieltes Abnehmen sollte also einen Teil davon zurückholen. So einfach ist es aber nicht, wenn du die randomisierten Daten genauer ansiehst.

  • Wie stark gezielter Gewichtsverlust auf die Sterblichkeit wirkt, hängt von der Methode ab. Bariatrische Chirurgie (SOS-Kohorte, NEJM 2007) senkte die Gesamtsterblichkeit über mehr als 10 Jahre um rund 20 bis 30 Prozent. Reine Lebensstil-Diät (Look-AHEAD, 2012 wegen Aussichtslosigkeit gestoppt) brachte bei Typ-2-Diabetikern dagegen KEINE Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse. Das verrät einiges: Wie viel Nutzen kommt vom Abnehmen selbst, und wie viel von der Methode dahinter?
  • Bei Menschen mit normalem BMI gibt es derzeit keine Evidenz für eine Lebensverlängerung durch GLP-1. Alle großen Studien liefen mit Adipositas- oder Diabetespatienten.
  • Abnehmen kostet auch fettfreie Masse, typischerweise 25 bis 40 Prozent des verlorenen Gewichts. Fettfreie Masse umfasst Skelettmuskulatur plus Wasser, Glykogen, Knochen und Organgewebe. Der reine Muskel-Anteil ist also kleiner als der DEXA-Wert. Der Muskelverlust unter GLP-1 bleibt trotzdem real. Ohne Krafttraining und genug Protein drohen langfristig schlechtere Mobilität und ein träger Stoffwechsel.

Die eigentliche Longevity-Frage lautet also: Gibt es Effekte jenseits des reinen Gewichtsverlusts? Erste Studien deuten plausible Wirkwege an. Die Datenlage ist aber noch jung und braucht längere Nachbeobachtung.

Was zeigen die großen Studien wirklich?

Drei große randomisierte Studien prägen die aktuelle Longevity-Debatte.

SELECT (NEJM 2023): 17.604 Patienten mit Adipositas und bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung, aber ohne Diabetes. Sie bekamen Semaglutid 2,4 mg wöchentlich, mittlere Expositionsdauer 33 Monate (Nachbeobachtung rund 40 Monate). Primärer Endpunkt: 20 Prozent weniger schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse (3P-MACE, also Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall; HR 0,80, 95-Prozent-KI 0,72 bis 0,90). Auch die Gesamtsterblichkeit war nominal niedriger (HR 0,81, 95-Prozent-KI 0,71 bis 0,93). Ein vorgeschalteter Endpunkt verfehlte aber die vordefinierte hierarchische Testschwelle. Deshalb gilt das Mortalitätsergebnis als hypothesengenerierend, nicht als statistisch bestätigt. Es ist trotzdem der bislang stärkste Beleg für einen herzschützenden, möglicherweise lebensverlängernden Effekt.

STEP-HFpEF (2023): Semaglutid bei Menschen mit Herzschwäche vom steifen Typ (erhaltene Pumpfunktion) und Adipositas. Symptome und Belastbarkeit verbesserten sich messbar gegenüber Placebo. Bei dieser bislang schwer behandelbaren HFpEF-Form ist das klinisch relevant.

FLOW (2024): Semaglutid bei Typ-2-Diabetikern mit chronischer Nierenerkrankung führte zu 24 Prozent weniger schwere Nieren- und Herz-Kreislauf-Ereignisse.

Leberentzündung durch Fettleber (MASH, metabolisch-dysfunktionsassoziierte Steatohepatitis): Die ESSENCE-Part-1-Ergebnisse stützten die FDA-Zulassung von Wegovy (Semaglutid 2,4 mg) für nicht-zirrhotische MASH mit moderater bis fortgeschrittener Fibrose (F2-F3) am 15. August 2025. Die EMA-CHMP gab am 29. Januar 2026 eine positive Stellungnahme ab und empfahl eine bedingte Marktzulassung unter dem EU-Markennamen Kayshild. Die EU-Kommission erteilte die bedingte Marktzulassung am 26. März 2026. Kayshild ist damit EU-weit für nicht-zirrhotische MASH mit F2-F3-Fibrose zugelassen. Die bedingte Zulassung verlangt weitere Evidenz aus der laufenden ESSENCE-Part-2-Studie (240-Wochen-Klinik-Ereignis-Readout erwartet 2029). Tirzepatid ist in keiner Jurisdiktion für MASH zugelassen (Stand Mai 2026), trotz anderslautender Behauptungen in sozialen Medien. Die bisher publizierte Evidenz ist die Phase-2-Studie SYNERGY-NASH (NEJM 2024).

Was als Nächstes kommt. Eli Lillys Orforglipron, in den USA als Foundayo vermarktet, wurde von der FDA am 1. April 2026 für Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht mit gewichtsbedingten Begleiterkrankungen zugelassen. Das lief über den CNPV-Pilotpfad der FDA (Commissioner's National Priority Voucher, NDA 220934, schnellste NME-Zulassung seit 2002 mit rund 50 Tagen ab Einreichung). Es ist der erste orale nicht-peptidische GLP-1-Rezeptoragonist und lässt sich zu jeder Tageszeit ohne Nahrungs- oder Wasserrestriktion einnehmen. Phase-3-Readouts: ACHIEVE-1 (T2D, 1,3 bis 1,6 Prozent HbA1c-Reduktion bei der Höchstdosis), ATTAIN-1 (Adipositas, rund 12,4 Prozent Gewichtsabnahme nach 72 Wochen in der Höchstdosis-Completer-Analyse, publiziert im NEJM) und ATTAIN-2 (Adipositas plus T2D). Der EMA-Zulassungsstatus ist Stand Mai 2026 nicht öffentlich bestätigt. Prüf das EMA-Register. Retatrutid, ebenfalls von Eli Lilly, ist ein dreifach-GLP-1/GIP/Glukagon-Agonist. Der erste positive Phase-3-Readout (TRIUMPH-4 bei Adipositas plus Kniearthrose) wurde im Dezember 2025 publiziert, mit bis zu 28,7 Prozent mittlerer Gewichtsabnahme bei der Höchstdosis und signifikanter Schmerzlinderung. Weitere Phase-3-Readouts werden über 2026 erwartet. Retatrutid ist Stand Mai 2026 weder FDA- noch EMA-zugelassen. Swissmedic warnte am 26. August 2025 vor gefälschten Retatrutid-Injektions-Kits in sozialen Medien. Die Substanz bleibt ausschließlich für die Forschung reserviert.

Was wir noch nicht wissen:

  • Direkte Lebenszeitdaten über 10 Jahre und länger fehlen weiterhin komplett
  • Der Effekt bei Menschen ohne Risikofaktoren (gesunder BMI) wurde nie randomisiert geprüft
  • Die Langzeitsicherheit über mehrere Jahrzehnte ist offen, weil die Wirkstoffe so neu sind
  • Ob die Effekte nach dem Absetzen bleiben (erster Hinweis: das Gewicht kommt meist innerhalb von 1 bis 2 Jahren weitgehend zurück)

SELECT-LIFE, eine nicht-interventionelle Beobachtungs-Nachverfolgung der SELECT-Teilnehmer, läuft aktuell und könnte längerfristige Outcome-Daten liefern. Es ist aber kein randomisierter Mortalitäts-Arm. Harte Lebenszeit-Antworten brauchen weiterhin eine eigens dafür angelegte Studie.

Welche Risiken sind real?

GLP-1-Agonisten sind keine harmlosen Supplements. Hier ein Überblick über die häufigen und die ernsten Risiken, die du kennen solltest.

Häufig (10 bis 40 Prozent der Nutzer):

  • Übelkeit, besonders in den ersten Wochen nach Therapiebeginn
  • Durchfall oder Verstopfung als typische Magen-Darm-Begleiter
  • Erbrechen, vor allem während der Dosis-Titration
  • Appetitlosigkeit (so gewollt, kann aber bei zu starker Reduktion in Unterernährung kippen)

Seltener, aber ernst:

  • Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) erfordert sofortige ärztliche Abklärung.
  • Gallenblasenerkrankungen, mit erhöhtem Risiko für Gallensteine und Cholezystitis (Gallenblasenentzündung).
  • Gastroparese (verzögerte Magenentleerung). Die ASA empfiehlt, eine präoperative Pause mit dem verschreibenden Arzt zu besprechen. Nach dem ASA-Konsens 2023 sollten wöchentliche GLP-1-Agonisten eine Woche vor Vollnarkose oder tiefer Sedierung pausiert werden, tägliche Präparate am OP-Tag. Die Multi-Society-Aktualisierung im Oktober 2024 (ASA, AGA, ASMBS, ISPCO, SAGES) hat diese pauschale Wochenpause ersetzt. Statt automatischer Absetzung gilt jetzt ein risiko-stratifiziertes, gemeinsam mit dem Patienten abgestimmtes Vorgehen (z. B. Magen-Ultraschall, diätetische Vorbereitung). So oder so: Informier dein Anästhesie-Team über die Einnahme, weil Fälle von pulmonaler Aspiration (Mageninhalt in der Lunge) bei gefülltem Magen berichtet wurden.
  • Akutes Nierenversagen durch Dehydrierung, wenn Übelkeit oder Erbrechen ausreichende Flüssigkeitszufuhr verhindern.
  • Medulläres Schilddrüsenkarzinom (MTC) und MEN-2: Warnhinweis nach EMA-Fachinformation §4.4 (nicht §4.3 Gegenanzeigen) und FDA-Boxed-Warning. Eine persönliche oder familiäre MTC- oder MEN-2-Anamnese gilt in der klinischen Praxis als hartes Ausschlusskriterium. Grundlage sind Schilddrüsen-C-Zell-Tumore in Nagermodellen. Das Risiko beim Menschen ist unklar, und die Verordnung wird in der Regel vermieden.
  • Nicht-arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION), also ein plötzlicher Sehverlust durch eine Durchblutungsstörung des Sehnervs. Das Signal wurde erstmals für Semaglutid berichtet (Hathaway et al., JAMA Ophthalmology 2024: HR 4,28, 95-Prozent-KI 1,62 bis 11,29, monozentrische Kohorte). Die größere OHDSI-Multi-Database-Replikation (JAMA Ophthalmology, April 2025, 14 Datenbanken, 37,1 Mio. T2D-Erwachsene) berichtete eine Meta-Analyse-IRR von rund 1,32 (95-Prozent-KI 1,14 bis 1,54), laut Abstract "a modest increase in the risk of NAION.. smaller than that previously reported." Eine separate dänisch-norwegische Kohorte (Diabetes Obes Metab 2025) berichtete eine gepoolte HR von 2,81 (95-Prozent-KI 1,67 bis 4,75). Nach der PRAC-Schlussfolgerung vom 5. Juni 2025 wurden die Semaglutid-Fachinformationen im Lauf des Herbstes 2025 um NAION als sehr seltene Nebenwirkung (unter 1 von 10.000) ergänzt. Bei plötzlichem, schmerzlosem Sehverlust lass sofort augenärztlich abklären.
  • Diabetische Retinopathie verschlechtert sich bei vorbestehender Retinopathie (SUSTAIN-6-Signal).
  • Muskel- und Knochendichteabbau, wenn du nicht aktiv gegensteuerst.

Mentale Gesundheit: Es gibt Berichte über Stimmungsänderungen und in Einzelfällen Suizidgedanken. Zulassungsbehörden prüfen das aktuell. Der EMA-PRAC kam im April 2024 zu dem Schluss, dass kein ursächlicher Zusammenhang belegt ist. Die Überwachung läuft weiter, weil das Datenfenster für seltene psychiatrische Signale noch klein ist.

Kosten und Versorgung in Deutschland: Wegovy und Mounjaro zur Adipositastherapie sind von der GKV-Erstattung ausgeschlossen nach §34 Abs. 1 Satz 7 SGB V (Lifestyle-Arzneimittel, AM-RL Anlage II). In Deutschland zahlst du also immer selbst, etwa 170 bis 500 € pro Monat je nach Wirkstoff und Dosis (Wegovy-Erhaltungsdosis rund 277 €/Monat nach der Preissenkung von Novo Nordisk im April 2025; Mounjaro 206 bis 489 €/Monat nach der Preiserhöhung von Lilly im Februar 2025). Ozempic (Semaglutid, bis 2 mg) und Mounjaro bei Typ-2-Diabetes werden auf Indikation über den Diabetologen oder Internisten erstattet. Die Off-Label-Verordnung von Ozempic bei Adipositas ohne Diabetes verstößt gegen die GKV-Regeln und führte wiederholt zu KBV-Korrespondenz. Das BfArM warnte 2023 bis 2024 vor gefälschten Ozempic-Präparaten, die während der lieferengpass-getriebenen Graumarkt-Importe zirkulierten. Lös Rezepte nur in zugelassenen Apotheken ein.

Was heißt das für dich?

Für die Longevity-Community fällt die Einordnung differenziert aus.

Bei Adipositas oder Typ-2-Diabetes: Die Daten sind inzwischen stark genug, dass GLP-1-Agonisten zu den wirkungsvollsten verfügbaren Tools zählen. Sie schützen direkt Herz und Nieren. Diese Entscheidung gehört in die Hand eines Arztes, idealerweise mit endokrinologischer oder kardiologischer Erfahrung.

Bei normalem Gewicht und reiner Optimierung: Hier wird es spekulativ. Off-Label-Nutzung in niedriger Dosis wird in Longevity-Kreisen diskutiert, vor allem in den USA. Belastbare Evidenz fehlt aber praktisch komplett. Die bekannten Risiken bleiben (Muskelverlust, Magen-Darm-Probleme, seltene schwere Nebenwirkungen), ohne belegten Nutzen.

Bei jeder GLP-1-Nutzung nicht verhandelbar:

  • Krafttraining (2 bis 3 Mal pro Woche) zum Muskelerhalt
  • Mehr Protein (1,6 bis 2,0 g pro kg Körpergewicht)
  • Regelmäßige DEXA- oder InBody-Messungen, um die Körperzusammensetzung zu tracken
  • Herz-Kreislauf-Checks und Blutwerte nach ärztlicher Vorgabe

Qualifikationsleiter für deutsche Leser:

  • BMI ab 30 allein (Adipositas), ODER BMI 27 bis unter 30 mit mindestens einer gewichtsbezogenen Begleiterkrankung (Dysglykämie/Prädiabetes/T2DM, Hypertonie, Dyslipidämie, obstruktive Schlafapnoe, kardiovaskuläre Erkrankung) → Wegovy ist laut EMA-Fachinformation indiziert. Ein BMI ab 30 erfordert keine Begleiterkrankung. Die GKV erstattet nicht bei Adipositas (AM-RL Anlage II Lifestyle-Arzneimittel), aber ein Privatrezept über den Hausarzt oder eine Adipositas-Schwerpunktpraxis ist legal und Standard. Selbstzahler etwa 170 bis 500 € pro Monat je nach Wirkstoff und Dosis.
  • Typ-2-Diabetes (beliebiger BMI) → Ozempic oder Mounjaro werden von der GKV auf Indikation erstattet, über Diabetologen oder Internisten.
  • Normaler BMI, nur Longevity → keine klinische Indikation. Off-Label-Verschreibung zu diesem Zweck ist in Deutschland sehr selten und durch bestehende Studien nicht gedeckt.

Monitoring-Checkliste:

  • Baseline (vor der ersten Injektion): HbA1c, TSH, Nüchternglukose, Lipidprofil, Lipase, eGFR, Leberwerte. Schwangerschaftstest wenn relevant. Ausgangsgewicht und Körperzusammensetzung (DEXA oder InBody) dokumentieren, wenn möglich.
  • Woche 0 bis 16 (Titration): Übelkeit ist anfangs normal. Dosissteigerung verlangsamen, wenn Erbrechen länger als 1 Woche anhält. Gewicht wöchentlich tracken.
  • Quartalsweise laufend: HbA1c, Lipidprofil, Lipase, Nierenfunktion. DEXA oder InBody alle 6 Monate, um Muskelverlust früh zu erkennen.
  • Gründe, deinen verschreibenden Arzt zeitnah zu kontaktieren: anhaltendes Erbrechen oder Dehydrierung, Lipase über dem 3-Fachen der oberen Normgrenze, Gallenblasenschmerzen, ungeklärte Halsschwellung, Schwangerschaft.

Muskelschutz-Protokoll: Das sind Punkte, die du mit dem verschreibenden Arzt besprechen solltest, kein selbstgesteuertes Protokoll. Minimum unter GLP-1: 3 Ganzkörper-Krafteinheiten pro Woche bei RPE 7 bis 8, 2 bis 3 Wiederholungen in Reserve. Protein 1,6 bis 2,0 g pro kg Körpergewicht. DEXA zu Beginn und nach 6 Monaten. Wenn der Muskelverlust über 6 Monate 10 Prozent übersteigt, kann der verschreibende Arzt eine Dosisreduktion oder Pause erwägen.

Frauengesundheits-Hinweis: Bei menstruierenden Frauen können GLP-1 den Zyklus verändern und mit oralen Kontrazeptiva (Pille) interagieren. Die verlangsamte Magenentleerung reduziert die Aufnahme. Sprich mit deiner Gynäkologin über Verhütung. Barrieremethoden als Backup werden während der Titration und 4 Wochen nach jeder Dosissteigerung empfohlen. Humandaten zur Sicherheit in der Schwangerschaft fehlen. Setz mindestens 2 Monate vor geplanter Empfängnis ab.

Was die Longevity-Forschung klar sagt: Ein gesunder Körperbau ist Mittel zum Zweck, nicht das Ziel. Jedes Tool, das Adipositas umkehrt, hat plausibles Longevity-Potenzial. Aber Schlankheit um jeden Preis ist kein Gesundheitsziel. GLP-1 mit Training ist ein anderes Ergebnis als GLP-1 ohne Training.

Häufig gestellte Fragen

Verlängern GLP-1-Medikamente das Leben?

Bei Menschen mit Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankung ist die Evidenz stark. Semaglutid senkt schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse um etwa 20 Prozent (SELECT-Studie). Direkte Lebenszeitdaten über Jahrzehnte gibt es noch nicht. Bei Menschen mit normalem BMI fehlt aktuell jede Evidenz für einen Longevity-Effekt.

Was ist der Unterschied zwischen Ozempic und Wegovy?

Beide enthalten den gleichen Wirkstoff: Semaglutid. Ozempic ist für Typ-2-Diabetes zugelassen und wird bis 2 mg wöchentlich dosiert (die 2-mg-Dosis wurde von der FDA am 28. März 2022 ergänzt und von der EMA Anfang 2022 nach dem positiven CHMP-Votum vom 12. November 2021). Wegovy ist für Adipositas zugelassen und geht bis 2,4 mg. Mounjaro enthält Tirzepatid, das zwei Sättigungsrezeptoren gleichzeitig aktiviert (GLP-1 und GIP) und in Studien stärker abnehmen lässt als Semaglutid.

Kann ich GLP-1 nur für Longevity nehmen, ohne übergewichtig zu sein?

Off-Label-Nutzung bei Normalgewicht wird in US-Longevity-Kreisen diskutiert, hat aber keine belastbare Evidenzbasis. Die bekannten Risiken bleiben (Muskelverlust, Magen-Darm-Beschwerden, seltene schwere Nebenwirkungen), auch wenn ein klarer Nutzen fehlt. In Deutschland ist eine Verschreibung außerhalb der Zulassung rechtlich und ärztlich schwierig.

Was passiert, wenn ich GLP-1 wieder absetze?

In der Studie SURMOUNT-4 (JAMA 2024) setzten Teilnehmer Tirzepatid nach einer 36-wöchigen Einlaufphase ab. In den folgenden 52 Wochen nahmen sie 14,0 Prozent Körpergewicht wieder zu, während die weiterbehandelte Gruppe weitere 5,5 Prozent verlor. Rund zwei Drittel des zuvor verlorenen Gewichts kamen binnen eines Jahres nach dem Absetzen zurück. Die STEP-1-Extension (Diabetes Obes Metab 2022) zeigte für Semaglutid ein vergleichbares Muster: etwa zwei Drittel der zuvor verlorenen Kilos kehrten binnen eines Jahres nach dem Absetzen zurück. Auch die kardiovaskulären Risikofaktoren (Blutdruck, Blutzucker) kehren weitgehend zurück. GLP-1 ist deshalb meist eine Langzeittherapie, vergleichbar mit Blutdruck- oder Cholesterinmedikamenten.

Welche Rolle spielt Krafttraining bei GLP-1-Nutzung?

Kritisch. Bei Gewichtsverlust gehen typischerweise 25 bis 40 Prozent des verlorenen Gewichts als fettfreie Masse verloren (das ist Skelettmuskulatur plus Wasser, Glykogen, Knochen und Organgewebe; DEXA misst fettfreie Masse, nicht reinen Muskel). Krafttraining (2 bis 3 Einheiten pro Woche mit 6 bis 10 Grundübungen) plus genug Protein (1,6 bis 2,0 g pro kg) kann den Skelettmuskel-Verlust auf unter 10 Prozent drücken. Aus Longevity-Sicht ist das nicht optional, denn Muskelmasse und Kraft sagen stark voraus, wie lange jemand lebt.

Quellen

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  8. Bundesministerium der Justiz. (2024). §34 SGB V, Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel (Lifestyle-Arzneimittel)
  9. Cai CX, Hribar M, et al.. (2025). Semaglutide and Nonarteritic Anterior Ischemic Optic Neuropathy (OHDSI multi-database analysis). JAMA Ophthalmologydoi:10.1001/jamaophthalmol.2024.6555
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  11. Loomba R, et al.. (2024). Tirzepatide for Metabolic Dysfunction–Associated Steatohepatitis with Liver Fibrosis (SYNERGY-NASH Phase 2). New England Journal of Medicinedoi:10.1056/NEJMoa2401943

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