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Selbstzahler-Longevity in Deutschland

Was die Kasse zahlt, was aus deiner Tasche kommt und was das Geld wirklich wert ist

Kurz erklärt

Ein Longevity-Check-up kostet in Deutschland 2026 rund 200 € aufwärts, wenn du Blutbild und DEXA selbst zusammenstellst, als Paket in einer Longevity-Klinik meist 1.500 bis 5.000 €. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt davon fast nichts, im Wesentlichen den Check-up 35 alle drei Jahre und die Krebsfrüherkennung. Einzeln kosten ein erweitertes Blutbild 150 bis 450 €, eine DEXA-Messung 50 bis 150 €, ein Koronar-Calcium-Score 150 bis 300 € und ein Ganzkörper-MRT 800 bis 2.500 €. Die günstige Diagnostik hat die beste Evidenz, die teure Bildgebung die schwächste. Für die meisten ist ein sinnvolles Budget rund 550 bis 1.150 € pro Jahr, das Ganzkörper-MRT bleibt der echten Hochrisiko-Gruppe vorbehalten.

Aktualisiert am · 11 Min. Lesezeit

Diese Inhalte dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere immer einen qualifizierten Arzt, bevor du Änderungen an deiner Ernährung, deinem Trainingsprogramm oder deiner Nahrungsergänzung vornimmst.

Was zahlt die Krankenkasse (GKV) bei Longevity wirklich?

Deine Kasse zahlt Vorsorge und Früherkennung, also nur das Basis-Screening. Ein paar dieser Checks helfen auch beim Thema Longevity. Die meisten nicht.

Teilen wir es in drei Teile: was du bekommst, was bei klarer Indikation drin ist und was du selbst zahlst.

Reguläre Vorsorge:

  • Gesundheitsuntersuchung (Check-up 35) ab 35 alle 3 Jahre: Anamnese, Blutdruck, Lipidprofil (Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyzeride), Nüchternzucker, Urin-Streifentest, einmalig ein Hepatitis-B/C-Test. Zwischen 18 und 34 gibt es einen Check-up, Blutwerte nur bei Risikofaktoren [14]. ApoB, Lp(a) und HbA1c fehlen. Details im Check-up-35-Ratgeber.
  • Hautkrebs-Screening ab 35, alle 2 Jahre
  • Darmkrebs-Früherkennung ab 50: alle 2 Jahre ein iFOBT-Stuhltest (sucht nach verstecktem Blut im Stuhl) oder zwei Früherkennungs-Koloskopien im Abstand von 10 Jahren. Seit 1. April 2025 gilt das für Frauen und Männer gleich, so hat es der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 16. Januar 2025 beschlossen [1].
  • Brustkrebs-Screening: Mammographie alle 2 Jahre, von 50 bis 75. Früher war mit 69 Schluss. Die 70- bis 75-Jährigen sind seit 1. Juli 2024 dabei. Seit 5. März 2026 erlaubt eine Änderung der Brustkrebs-Früherkennungs-Verordnung rechtlich auch die Mammographie für Frauen von 45 bis 49 [8]. Ob die Kasse diese Altersgruppe dann auch zahlt, ist eine andere Frage. Der G-BA will im Oktober 2026 entscheiden [19]. Auch nach einem Ja starten die Einladungen erst, wenn die Versicherteninformation überarbeitet ist, geplant für April 2027.
  • Lungenkrebs-Früherkennung (neu seit April 2026): ein Niedrigdosis-CT alle 12 Monate für aktive und ehemalige starke Raucherinnen und Raucher von 50 bis 75, mit mindestens 25 Raucherjahren und 15 Packungsjahren (ein Packungsjahr heißt: ein Jahr lang 20 Zigaretten am Tag) [9]. Es ist das einzige CT, das die Kasse als reines Screening zahlt.
  • Gebärmutterhals-Screening
  • Prostata-Tastuntersuchung ab 45
  • Impfungen nach STIKO

Medikamente, die du bei klarem Grund bekommst:

  • Blutdrucksenker bei bestätigter Hypertonie
  • Statine bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung (also Herz und Gefäße) oder hohem Risiko, also mehr als 10 % Ereignisrisiko in 10 Jahren, dazu ein paar Sonderfälle wie familiäre Hypercholesterinämie. Ein leicht erhöhtes Risiko allein reicht nicht [18]
  • Metformin bei Typ-2-Diabetes
  • HRT (Hormontherapie), wenn die Menopause es verlangt
  • GLP-1-Agonisten bei Diabetes

Was die GKV NICHT abdeckt:

  • Erweiterte Bluttests (ApoB, Lp(a), hsCRP, Omega-3-Index, ausführliche Hormon-Panels, Mikrobiom)
  • Biologische oder epigenetische Alterstests (die lesen die chemischen Marker auf deiner DNA aus, die sich mit dem Alter verschieben)
  • Ganzkörper-MRT als Routine-Screening
  • Koronar-Calcium-Score
  • VO2max-Tests außerhalb einer Kardiologie-Indikation
  • DEXA-Messung (außer bei Osteoporose-Verdacht)
  • CGM (Glukose-Dauermessung) ohne Diabetes
  • GLP-1 zum Abnehmen ohne Diabetes (per Gesetz als Lifestyle-Arzneimittel ausgeschlossen)
  • Longevity-Sprechstunden in Privatpraxen
  • IV-Therapien

Was kostet ein Longevity-Check-up 2026 wirklich?

Rechne 2026 mit grob 150 bis 450 € für ein erweitertes Longevity-Blutbild, 50 bis 150 € für eine DEXA-Messung, 150 bis 300 € für einen Koronar-Calcium-Score und 800 bis 2.500 € für ein Ganzkörper-MRT. Die günstige Diagnostik hat die beste Evidenz, die teure Bildgebung die schwächste.

Ein Longevity-Check-up ist kein festes Produkt, sondern ein Warenkorb. Jede Privatpraxis schnürt ein anderes Paket daraus, deshalb stehen hier die Bausteine einzeln, mit echten Richtpreisen aus deutschen Groß- und Mittelstädten. Die Spannen sind mit Absicht breit. Das untere Ende ist ein günstiges Labor, das obere eine Premium-Privatpraxis, für genau denselben Test. Die Spalte "Zahlt die Kasse?" zeigt, was die GKV zahlt, wenn keine medizinische Indikation dokumentiert ist. "IGeL" steht für Individuelle Gesundheitsleistungen: Angebote der Praxis, die du selbst zahlst.

Leistung Preisspanne 2026 Zahlt die Kasse?
Erweitertes Longevity-Blutbild (30 bis 60 Werte, nicht das klassische große Blutbild) 150 bis 450 € Nein, IGeL
ApoB, Lp(a) 25 bis 80 € Nur mit Indikation
Ausführliches Hormon-Panel 150 bis 300 € Nur mit Indikation
Omega-3-Index 40 bis 80 € Nein, IGeL
Mikrobiom-Analyse 250 bis 500 € Nein, IGeL
Epigenetischer Alterstest 250 bis 500 € Nein, IGeL
Schwermetalltest 100 bis 250 € Nur mit Indikation
DEXA-Messung 50 bis 150 € Nur bei Osteoporose-Verdacht
Koronar-Calcium-Score 150 bis 300 € Nein, IGeL
Karotis-Intima-Media-Messung (Ultraschall der Halsschlagader-Wand) 70 bis 180 € Nur mit Indikation
Ganzkörper-MRT 800 bis 2.500 € Nein, als Routine-Screening
Kardio-MRT 400 bis 800 € Nur mit Indikation
Spiroergometrie (misst VO2max direkt) 150 bis 300 € Nur mit Kardiologie-Indikation
Ruhe-EKG und Belastungs-EKG 50 bis 150 € Nur mit Indikation
IV-Vitamin-Therapie 60 bis 250 € pro Sitzung Nein
NAD+-Infusion 200 bis 500 € pro Sitzung Nein
IHHT (Atmen von sauerstoffarmer und -reicher Luft im Wechsel) 30 bis 80 € pro Sitzung Nein
Kryotherapie-Kammer 20 bis 50 € pro Sitzung Nein
Hyperbare Sauerstofftherapie 100 bis 300 € pro Sitzung Nein, als Longevity-Anwendung
Longevity-Privatpraxis, Erstgespräch 200 bis 500 € Nein
Longevity-Privatpraxis, Folgetermin 100 bis 300 € Nein
Longevity-Klinik, Check-up-Paket 1.500 bis 5.000 € Nein
Longevity-Coaching im Abo (mit Blutbild) 50 bis 200 € pro Monat Nein
Wearable-basiertes Programm 20 bis 100 € pro Monat Nein
Heilpraktiker-Erstanamnese 80 bis 200 € Nein, allenfalls über eine Zusatzversicherung

Günstig heißt nicht automatisch sinnvoll. Der IGeL-Monitor bewertet den Ultraschall der Halsschlagadern zur Schlaganfallvorsorge und das Vorsorge-EKG ohne Beschwerden mit „tendenziell negativ" [21, 22].

Zum Koronar-Calcium-Score gehört eine Fußnote. Der G-BA hat die CT-Koronarangiographie (CCTA) am 18. Januar 2024 in den GKV-Katalog aufgenommen, seit 1. Januar 2025 zahlt die Kasse sie. Aber nur, wenn du stabile Brustschmerzen hast und der Verdacht auf eine KHK (koronare Herzkrankheit) besteht [17]. Das reine Agatston-Screening (der Calcium-Score an sich), das du einfach zur Kontrolle buchst, bleibt Selbstzahler (eine IGeL-Leistung).

Lohnt sich PKV oder Zusatzversicherung für Longevity?

Kurze Antwort: für Longevity allein meistens nicht. Hier die längere.

Private Krankenversicherung (PKV): Die Verträge unterscheiden sich stark. Viele decken spürbar mehr Longevity-Kram ab:

  • Erweiterte Labordiagnostik auf ärztliche Verordnung
  • Nichtärztliche Leistungen (Heilpraktiker, also der nichtärztliche Behandler) in begrenztem Umfang
  • Längere Vorsorgetermine
  • Zusätzliche Check-ups oder Bildgebung ohne Indikation, aber nur, wenn dein Tarif ausdrücklich ein Vorsorgebudget enthält [15]

Trotzdem lohnt sich die PKV meist nicht allein wegen Longevity. Über ein paar Jahrzehnte gerechnet kosten dich die Mehrkosten am Ende mehr, als der Longevity-Nutzen wert ist.

Du bist in der GKV und willst etwas dazupacken? Dann gibt es drei Optionen:

  • Ambulante Zusatzversicherung: deckt oft Heilpraktiker und erweiterte Vorsorge
  • Heilpraktiker-Zusatzversicherung: speziell für Heilpraktikerleistungen
  • Vorsorge-Zusatzversicherung: erweiterte GKV-Vorsorge

Typische Prämien: 10 bis 50 € pro Monat. Sie erstatten je nach Tarif 50 bis 80 %, oft mit Höchstbeträgen, die in den ersten Jahren ansteigen.

Ein Tipp vor der Unterschrift: lies das Kleingedruckte. Achte auf Wartezeiten, Höchstbeträge und welche Methoden konkret drin sind. Genau das übersehen die meisten.

Wie baust du eine sinnvolle Selbstzahler-Strategie?

Für die meisten ist die beste Mischung ein jährliches erweitertes Blutbild plus Wearable, eine DEXA-Messung und ein VO2max-Test, dazu ab und zu eine Longevity-Sprechstunde: grob 550 bis 1.150 € pro Jahr. Das Ganzkörper-MRT sparst du dir als Routine, außer du gehörst wirklich zur Hochrisiko-Gruppe. Jede Leistung prüfst du vorher gegen die Evidenz.

Bevor du irgendwas bezahlst, mach eins: schau es beim IGeL-Monitor nach. Den Dienst betreibt der Medizinische Dienst Bund. Auf igel-monitor.de findest du unabhängige Nutzen-Schaden-Bewertungen für Selbstzahler-Leistungen. Stand 18. Juni 2026 hat er 61 Leistungen bewertet: 0 positiv, 3 tendenziell positiv, 27 unklar, 25 tendenziell negativ, 6 negativ [3]. Keine der bewerteten Leistungen bekommt also ein klares Plus.

Kurz zu den teuren Brocken. Das Ganzkörper-MRT als Vorsorge-Screening steht gar nicht erst im IGeL-Monitor-Katalog. Am nächsten kommen zwei Einträge: „MRT der Brust zur Krebsfrüherkennung" (seit der Neubewertung im Juni 2025 als „unklar" eingestuft) und „MRT zur Früherkennung einer Alzheimer-Demenz" („tendenziell negativ"). Das ACR (American College of Radiology) sagt es klar: Es gibt keinen Beleg, dass ein Ganzkörper-Screening bei Menschen ohne Symptome oder Risikofaktoren das Leben verlängert [13].

Noch ein paar, nach denen oft gefragt wird. HBOT (Überdruck-Sauerstofftherapie) bei Long-COVID ist als „unklar" bewertet. NAD+-IV, Myers-Cocktail und hochdosiertes Vitamin-C-IV außerhalb der Onkologie stehen gar nicht im Katalog. Die kritischen Einschätzungen dazu kommen von der GWUP (der deutschen Skeptiker-Gesellschaft) und aus der Skeptiker-Literatur, nicht vom IGeL-Monitor. Prüf die konkrete Leistung also dort, bevor du deine Karte zückst.

Und jetzt das, weswegen du hier bist. Diese Hierarchie passt für die meisten Menschen:

Stufe 1. Basis (kostenlos oder schon in der GKV enthalten):

  • Reguläre GKV-Vorsorge wahrnehmen
  • Kein Rauchen, wenig Alkohol
  • Täglich Bewegung, 2 bis 3x Krafttraining
  • Kraft mit einem Handkraft-Test verfolgen. Ein Dynamometer (Handkraft-Messgerät) gibt es in vielen Studios und Praxen
  • 7 bis 8 Stunden Schlaf

Stufe 2. Kleiner Aufwand, hoher Nutzen (300 bis 700 € pro Jahr, plus Wearable):

  • Einmal jährlich erweitertes Blutbild (inkl. ApoB, Lp(a), hsCRP, HbA1c, Nüchterninsulin, Vitamin D, B12, Ferritin)
  • DEXA alle 2 bis 3 Jahre
  • VO2max-Test einmal jährlich
  • Wearable (Whoop, Oura, Garmin)

Stufe 3. Mittlerer Aufwand (500 bis 1.500 € pro Jahr):

  • Jährliche Longevity-Privatpraxis-Sprechstunde
  • Koronar-Calcium-Score (alle 5 Jahre bei normalem Ergebnis)
  • Epigenetischer Alterstest alle 2 bis 3 Jahre
  • IV-Vitamintherapien bei nachgewiesenem Mangel

Stufe 4. Hoher Aufwand (ab 1.500 € pro Jahr):

  • Ganzkörper-MRT nur bei Risiko-Stratifizierung (siehe unten), nicht als Routine
  • CGM (Glukose-Dauermessung) ohne Diabetes
  • NAD+-Infusions-Programme
  • Off-Label-Medikamente (siehe Rapamycin-Ratgeber)

Für die meisten reicht Stufe 1 plus Stufe 2, ab und zu ergänzt um Stufe 3. Kosten: 300 bis 800 € pro Jahr plus bis zu 20 bis 30 € pro Monat (240 bis 360 € im Jahr), wenn du ein Abo-Wearable wie Whoop nimmst (Garmin braucht kein Abo). Mit Abo-Wearable macht das rund 550 bis 1.150 € pro Jahr.

Wohin der nächste Euro fließt, nach Budget

Noch eine Sicht: nach dem, was im Geldbeutel ist. Funktioniert für Deutschland, Österreich und die Schweiz (die lokale Bezeichnung für die Vorsorge einfach anpassen).

Jahresbudget Was du dafür bekommst Richtpreis
0 € GKV-Vorsorge (Deutschland, ab 35 alle 3 Jahre) bzw. österreichische Vorsorgeuntersuchung (jährlich kostenlos), Sit-Rise-Test (vom Boden aufstehen, ohne die Hände zu benutzen, sagt erstaunlich gut voraus, wie lange du lebst [7]), Handkraft-Selbsttest, Rockport-Gehtest (zügiger 1-Meilen-Gang zur VO2-max-Schätzung) 0 € (Hand-Dynamometer ca. 40 € einmalig oder einfacher Quetsch-Test)
200 € Erweitertes Blutbild als IGeL (ApoB, Lp(a), hsCRP, Nüchterninsulin, HbA1c), Omega-3-Index-Heimtest (getrockneter Blutstropfen), Rest für Basis-Vitamin-D-Testung oder gezielte Supplements ca. 150 € + ca. 45 €
500 € Alles darüber, plus DEXA-Scan, VO2-max-Test in einer sportmedizinischen Praxis, Polar H10 Brustgurt mit HRV4Training, Basis-Supplements bei dokumentiertem Bedarf (Vitamin D, Omega-3, Kreatin) 50 bis 150 € + 100 bis 200 € + ca. 100 € einmalig
1.500 € Alles darüber, plus jährlicher biologischer Alterstest: TruDiagnostic TruAge Complete (epigenetisch, misst DNA-Methylierung, plus EU-Einfuhr-USt.) oder GlycanAge (misst Zuckerketten an deinen Antikörpern, kein epigenetischer Test; Labor in Zagreb, Kroatien, EU-interner Versand). Dazu ein Longevity-Arztbesuch (Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren oder Ernährungsmedizin oder Fortbildung Präventivmedizin) ca. 500 € oder ca. 300 € + ca. 300 €
Ab 3.000 € Alles darüber, plus Ganzkörper-MRT nur, wenn medizinisch indiziert (siehe Risiko-Regel unten), NAD+-IV, falls gewünscht, ausführliche Longevity-Privatpraxis-Mitgliedschaft (Quartalsbesuche, Labore inklusive) 800 bis 2.500 € fürs MRT, plus Mitgliedsbeitrag

Die Schweiz kennt keine kostenlose jährliche Routine-Vorsorge wie Österreich. Die Grundversicherung (OKP/LAMal) deckt aber definierte Präventionsleistungen, etwa Mammographie ab 50, Darmkrebs-Screening und Impfungen. Dazu kommt die medizinisch notwendige Versorgung. Für die normale Versorgung zahlst du Franchise und Selbstbehalt. Organisierte Screening-Programme sind von der Franchise befreit. Dort bleiben nur 10% Selbstbehalt.

Zusatzversicherungen im Überblick (Deutschland, typische Leistungen Stand 2026)

Sieh das als grobe Orientierung, nicht als Zusage. Vor Abschluss prüfst du immer den konkreten Tarif.

  • Hallesche AE.3 (Zusatz zur GKV): Heilpraktiker zu 50 %, bis 260 € Rechnungsbetrag im 1., 520 € im 2. und 780 € ab dem 3. Jahr. Nicht verwechseln mit NK.Bonus: Das ist eine Krankenvollversicherung (eine komplette PKV), kein Zusatztarif. NK.Bonus ist außerdem aktuell für neue Kundinnen und Kunden geschlossen. Die offene PKV-Vollversicherungslinie der Hallesche heißt NK.select S/L/XL, mit NK.select FLEX als Tarifwechseloption.
  • Münchener Verein und Barmenia bieten ebenfalls Heilpraktiker- und ambulante Zusatztarife an. Prozentsatz, Höchstbeträge und Beitrag prüfst du im aktuellen Tarif.

Schau dir vor der Unterschrift drei Dinge an: die Wartezeiten (oft 3 bis 8 Monate), die ausgeschlossenen Methoden (Bioresonanz fliegt häufig raus) und welche Labore im Netz sind.

Arzt-Weg

Du willst Rezepte (Rapamycin off-label, HRT, GLP-1 auf Indikation) plus Lifestyle-Beratung aus einer Hand? Dann lass den Heilpraktiker-Weg. Geh direkt zu einem Arzt mit Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren oder Ernährungsmedizin. Pass bei den Bezeichnungen auf: Präventivmedizin ist nur eine curriculare Fortbildung (ein Kurs, den man absolviert), keine echte Zusatzbezeichnung. Wie du über die Ärztekammer oder arzt-auskunft.de suchst und wie ein typischer Erstbesuch abläuft, steht im Heilpraktiker-Longevity-Ratgeber.

Ganzkörper-MRT: risikostratifizierte Regel

Ob ein Ganzkörper-MRT Sinn ergibt, hängt an deinem persönlichen Risiko. Hier ist eine einfache Regel. Mehr zur Abwägung steht im Ganzkörper-MRT-Vorsorge-Ratgeber.

Zieh ein Ganzkörper-MRT in Erwägung, wenn das auf dich zutrifft:

  • Li-Fraumeni-Syndrom (du trägst eine vererbte Mutation im TP53-Gen): ein jährliches Ganzkörper-MRT gehört zum Toronto-Protokoll, dem Früherkennungsplan für dieses Syndrom [4]

Zwei Fälle landen oft mit auf der Liste, brauchen aber zuerst etwas anderes:

  • Eine starke familiäre Krebsanamnese (2+ Verwandte 1. Grades mit Krebs vor 55): erst zur genetischen Beratung. Ein Ganzkörper-MRT ergibt nur Sinn, wenn sich dort ein Syndrom bestätigt, zu dessen Früherkennungsplan es gehört.
  • Neurologische Symptome brauchen ein gezieltes MRT von Kopf oder Wirbelsäule, kein Ganzkörper-MRT. Das zahlt deine Kasse.

BRCA1/2-Trägerinnen brauchen kein Ganzkörper-MRT zur Standard-Früherkennung. BRCA1 und BRCA2 sind vererbte Genveränderungen, die das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs erhöhen. Empfohlen ist ein jährliches Brust-MRT plus Mammographie, dazu Maßnahmen, die das Risiko für Eierstockkrebs senken. Die US-Leitlinie NCCN zu erblichem Brust- und Eierstockkrebs (HBOC) startet die Mammographie ab 30. Die deutsche S3-Leitlinie Mammakarzinom und das Deutsche Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs ergänzen Ultraschall und starten die Mammographie erst ab 40, alle ein bis zwei Jahre [5, 6, 12].

Für alle anderen kommt der Haken: Ist dein Risiko wirklich niedrig, sind falsch positive Befunde häufig. Und ein Fehlalarm heißt Angst, Folgeuntersuchungen und manchmal einen Eingriff, den du nie gebraucht hättest. Bei wirklich niedrigem Risiko überwiegt dieser Schaden den Nutzen meist. Ein fokussierter Koronar-Calcium-Score plus DEXA liefern dir pro ausgegebenem Euro deutlich mehr brauchbare Evidenz.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet ein Longevity-Check-up in Deutschland?

Das hängt davon ab, ob du ein Paket kaufst oder selbst zusammenstellst. Ein Klinik-Paket kostet 2026 meist 1.500 bis 5.000 €, eine Jahresmitgliedschaft 5.000 bis 20.000 € und mehr. Baust du selbst zusammen, zahlst du für erweitertes Blutbild, DEXA und VO2max-Test etwa 300 bis 900 €. Die Kasse übernimmt davon nichts. Der Check-up 35 beim Hausarzt bleibt kostenlos. Mehr im [Longevity-Klinik-Ratgeber](./longevity-klinik-kosten).

Zahlt die Krankenkasse einen Longevity-Coach?

Nein, die gesetzliche Krankenkasse zahlt keinen Longevity-Coach. Coaching ist keine Leistung nach SGB V, dem Gesetz, das festlegt, was die Kasse zahlt. "Longevity-Coach" ist in Deutschland außerdem keine geschützte Berufsbezeichnung. Ein Coaching-Abo mit Blutbild kostet dich 50 bis 200 € pro Monat, komplett aus eigener Tasche. Geld von der Kasse gibt es auf drei anderen Wegen. Erstens Präventionskurse nach § 20 SGB V zu Bewegung, Ernährung oder Stressbewältigung, zertifiziert von der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) [10]. Meist zahlt die Kasse den Großteil von ein bis zwei Kursen im Jahr. Zweitens die Bonusprogramme deiner Kasse. Drittens der ärztliche Weg über eine Praxis mit passender Zusatzbezeichnung (eine Zusatzqualifikation zum Facharzt). Dort laufen die Regelleistungen über deine Karte. Nur die Longevity-Beratung kommt als IGeL dazu (Erstgespräch 200 bis 500 €). Frag bei deiner Kasse konkret nach dem Präventionskurs-Katalog und dem Bonusheft, bevor du ein Coaching-Abo abschließt.

Kann ein Longevity-Coach über die Krankenkasse abrechnen?

Direkt nicht, denn ein Coach hat keine Kassenzulassung. Geld von der Kasse gibt es nur, wenn er einen Kurs nach § 20 SGB V anbietet, den die Zentrale Prüfstelle Prävention zertifiziert hat [10]. Nach dem Kurs reichst du die Teilnahmebescheinigung ein. Wie viel du zurückbekommst, regelt jede Kasse selbst. Ein 1:1-Coaching mit Bluttest und App ist kein solcher Kurs. Das zahlst du privat.

Zahlt meine Krankenkasse einen biologischen Alterstest?

Nein, echte epigenetische Alterstests (die lesen die DNA-Methylierung aus, also die chemischen Marker auf deiner DNA) zahlst du fast immer selbst. Eine eigene GOÄ-Ziffer (die Gebührenordnung, nach der Ärzte privat abrechnen) für einen „biologischen Alterstest" gibt es nicht. Deshalb zahlt die PKV nur in seltenen Einzelfällen: nämlich dann, wenn eine Ärztin einzelne Marker über Standard-Laborziffern abrechnet und eine klare medizinische Notwendigkeit zeigen kann. Ein paar Premium-Zusatztarife haben den Test im Paket. Mehr dazu im [Biologischer-Alterstest-Ratgeber](./biologischer-alterstest-krankenkasse).

Was sind die sinnvollsten Selbstzahler-Investitionen?

Das meiste fürs Geld bekommst du hier: einmal jährlich ein erweitertes Blutbild (150 bis 450 €), DEXA alle 2 bis 3 Jahre (50 bis 150 €), ein VO2max-Test einmal jährlich (ca. 100 bis 200 € in einer sportmedizinischen Praxis, 150 bis 300 € als klinische Spiroergometrie) und ein Wearable. Ein Ganzkörper-MRT lohnt sich nur, wenn dein Risiko wirklich hoch ist, etwa beim Li-Fraumeni-Syndrom. Bei einer starken familiären Krebsanamnese (2+ Verwandte 1. Grades vor 55) kommt zuerst die genetische Beratung. Neurologische Symptome brauchen ein gezieltes MRT von Kopf oder Wirbelsäule, das zahlt deine Kasse. BRCA1/2-Trägerinnen brauchen ein jährliches Brust-MRT, kein Ganzkörper-MRT. Sonst überwiegt die Falsch-Positiv-Rate den Nutzen.

Zahlt die Krankenkasse ein MRT oder eine DEXA-Messung?

Nur mit medizinischem Grund. Ein MRT zahlt die Kasse, wenn deine Ärztin Beschwerden abklären muss. Die Knochendichte per DEXA gibt es bei Osteoporose-Verdacht. Ein Ganzkörper-MRT oder eine DEXA-Körperfettmessung auf eigenen Wunsch zahlst du selbst: grob 800 bis 2.500 € und 50 bis 150 €. Das einzige CT, das die Kasse als reines Screening zahlt, ist das Niedrigdosis-CT für starke Raucherinnen und Raucher von 50 bis 75 [9]. Mehr im [DEXA-Kosten-Ratgeber](./dexa-scan-kosten).

Lohnt sich PKV nur für Longevity?

In der Regel nein. Über ein paar Jahrzehnte kostet dich die PKV mit ihren Mehrkosten meist mehr, als der Longevity-Nutzen wert ist. Wenn du ohnehin aus anderen Gründen PKV-berechtigt bist, dann schau dir konkret die Longevity-Leistungen im Tarif an.

Zahlt die Kasse Ozempic oder Wegovy für Longevity?

Bei Typ-2-Diabetes: ja (Ozempic ist je nach Indikation erstattungsfähig). Für reine Adipositas, egal bei welchem BMI: nein. Zur Gewichtsregulation gilt Wegovy nach AM-RL Anlage II als Lifestyle-Arzneimittel und ist damit von der GKV-Erstattung ausgeschlossen [2]. Eine Hintertür hat der G-BA in seiner Begründung vom 21. März 2024 offengelassen: Würde die EMA Wegovy eigens zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung zulassen, gälte diese Anwendung nicht als Lifestyle-Arzneimittel [16]. Diese eigene Zulassung gibt es bis heute nicht. In der EU ist Wegovy nur zur Gewichtsregulierung zugelassen, die Herzdaten stehen lediglich als Studienergebnis in der Fachinformation [20]. Aktuell zahlt die GKV Wegovy also auch bei Herzerkrankung nicht. Bei privaten Versicherungen sind die Bedingungen verschieden. Mehr dazu im [GLP-1-Ratgeber](./glp1-longevity).

Gibt es eine gute Heilpraktiker-Zusatzversicherung?

Ja. Anbieter wie Hallesche, Münchener Verein und Barmenia haben Tarife. Die Prämien liegen bei 10 bis 50 € pro Monat. Sie erstatten je nach Tarif 50 bis 80 %, oft mit Höchstbeträgen, die in den ersten Jahren ansteigen. Der Hallesche-Tarif AE.3 zahlt zum Beispiel 50 % der Heilpraktiker-Rechnungen, bis 260 € im 1., 520 € im 2. und 780 € ab dem 3. Jahr. Prüf nur vorher die Wartezeiten und die abgedeckten Methoden.

Kann ich Selbstzahler-Leistungen von der Steuer absetzen?

Meist nicht. Als außergewöhnliche Belastung nach § 33 EStG zählen nur Kosten, die eine Krankheit heilen oder ihre Folgen lindern [11]. Auch dann ist nur der Teil über deiner zumutbaren Belastung absetzbar. Ein vorbeugender Longevity-Check ohne Beschwerden fällt also raus. Anders kann es aussehen, wenn eine Ärztin die Untersuchung wegen eines konkreten Verdachts verordnet hat. Heb Rechnung und Verordnung dann auf. Bei wissenschaftlich nicht anerkannten Methoden wie Sauerstoff- oder Chelattherapie verlangt das Finanzamt außerdem ein amtsärztliches Gutachten oder eine Bescheinigung des Medizinischen Dienstes, ausgestellt vor der ersten Sitzung [23].

Quellen

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss. (2025). G-BA Beschluss vom 16. Januar 2025 zur Krebsfrüherkennungs-Richtlinie (Darmkrebs-Screening ab 50, geschlechtsneutral)
  2. Bundesministerium der Justiz. (2024). §34 SGB V, Lifestyle-Arzneimittel-Ausschluss (AM-RL Anlage II)
  3. Medizinischer Dienst Bund. (2026). IGeL-Monitor: Bewertungen von Selbstzahlerleistungen (Stand 18. Juni 2026)
  4. Villani A, Shore A, Wasserman JD, et al.. (2016). Biochemical and imaging surveillance in germline TP53 mutation carriers with Li-Fraumeni syndrome: 11 year follow-up of a prospective observational study. Lancet Oncologydoi:10.1016/S1470-2045(16)30249-2
  5. National Comprehensive Cancer Network. (2026). NCCN Guidelines: Genetic/Familial High-Risk Assessment: Breast, Ovarian, Pancreatic, and Prostate
  6. AWMF / Deutsche Krebsgesellschaft. (2026). S3-Leitlinie Mammakarzinom (Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge), Version 5.1, AWMF 032-045OL
  7. de Brito LBB, Ricardo DR, de Araújo DSMS, et al.. (2012). Ability to sit and rise from the floor as a predictor of all-cause mortality. European Journal of Preventive Cardiologydoi:10.1177/2047487312471759
  8. Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN). (2026). Zweite Verordnung zur Änderung der Brustkrebs-Früherkennungs-Verordnung (BGBl. 2026 I Nr. 53; ausgefertigt 27. Februar 2026, verkündet 4. März 2026, in Kraft 5. März 2026)
  9. Gemeinsamer Bundesausschuss. (2026). Lungenkrebs-Früherkennung für Raucherinnen und Raucher (Niedrigdosis-CT, Krebsfrüherkennungs-Richtlinie)
  10. Zentrale Prüfstelle Prävention (Kooperationsgemeinschaft gesetzlicher Krankenkassen). (2026). Zertifizierung von Präventionsangeboten nach § 20 SGB V
  11. Bundesministerium der Justiz. (2026). § 33 EStG, Außergewöhnliche Belastungen
  12. Deutsches Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs. (2026). Intensivierte Früherkennung
  13. American College of Radiology. (2023). ACR Statement on Screening Total Body MRI
  14. Gemeinsamer Bundesausschuss. (2026). Gesundheitsuntersuchungen (Check-up)
  15. Bundesministerium der Justiz. (2026). § 192 VVG, Vertragstypische Leistungen des Versicherers
  16. Gemeinsamer Bundesausschuss. (2024). Tragende Gründe zum Beschluss Arzneimittel-Richtlinie/Anlage II: Semaglutid (Wegovy) vom 21. März 2024
  17. Gemeinsamer Bundesausschuss. (2024). Neue ambulante Leistung: Bildgebendes Verfahren zum Abklären von koronarer Herzkrankheit
  18. Gemeinsamer Bundesausschuss. (2026). Arzneimittel-Richtlinie Anlage III Nummer 35 (Lipidsenker), Tragende Gründe zur Einleitung eines Stellungnahmeverfahrens vom 11. August 2026
  19. Gemeinsamer Bundesausschuss. (2026). Mammographie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs: G-BA berät über Absenkung der Altersgrenze auf 45 Jahre (Pressemitteilung vom 16. April 2026)
  20. European Medicines Agency. (2026). Wegovy: EPAR, Product Information (therapeutic indication, section 4.1)
  21. Medizinischer Dienst Bund (IGeL-Monitor). (2026). Ultraschall der Halsschlagadern zur Schlaganfallvorsorge
  22. Medizinischer Dienst Bund (IGeL-Monitor). (2026). EKG zur Früherkennung einer koronaren Herzerkrankung
  23. Bundesministerium der Justiz. (2026). § 64 EStDV, Nachweis von Krankheitskosten

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Erstellt von Maurice Lichtenberg, Gründer, Longevity Cities

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