Verlängert Sauna das Leben? Was die Finnland-Studie zeigt
Ja, die besten Daten deuten darauf hin. In der finnischen KIHD-Studie hatten Männer mit 4 bis 7 Saunagängen pro Woche ein 40 % geringeres Risiko, an irgendeiner Ursache zu sterben, als Männer mit nur einem Gang pro Woche [1]. Das sind Beobachtungsdaten, also ein starker Zusammenhang, kein Beleg, dass die Sauna die Ursache ist. Der Effekt blieb aber nach Herausrechnen der wichtigsten Risikofaktoren bestehen.
Die stärksten Daten kommen aus der Kuopio Ischaemic Heart Disease Risk Factor Study (KIHD). Forscher begleiteten 2.315 finnische Männer mittleren Alters über mehr als 20 Jahre. Die Auswertung erschien 2015 in JAMA Internal Medicine [1].
Die Zahlen sind deutlich:
- Männer mit 4 bis 7 Saunagängen pro Woche hatten ein 40 % geringeres Risiko, an irgendeiner Ursache zu sterben, als Männer mit nur einem Gang pro Woche (HR 0,60). Eine Hazard Ratio (HR) von 0,60 heißt: 60 % des Risikos der Vergleichsgruppe [1].
- Tödliche Herz-Kreislauf-Ereignisse lagen etwa 50 % niedriger. Die wahrscheinliche Spanne (95 % KI 0,33 bis 0,77) reicht von rund 23 % bis 67 % weniger [1].
- Der plötzliche Herztod sank sogar um 63 % (HR 0,37) [1].
- Sitzungen über 19 Minuten gingen mit einem geringeren Herz-Todesrisiko einher: plötzlicher Herztod HR 0,48, tödliche koronare Herzkrankheit HR 0,64 [1].
- Mit der Sterblichkeit insgesamt hing die Dauer nicht erkennbar zusammen. Die hing vor allem davon ab, wie oft jemand ging [1].
| Saunagänge pro Woche | Männer in der Gruppe | Im Verlauf verstorben | Risiko, an irgendeiner Ursache zu sterben (HR) |
|---|---|---|---|
| 1 (Referenz) | 601 | 49 % | 1,00 |
| 2 bis 3 | 1.513 | 38 % | 0,76 |
| 4 bis 7 | 201 | 31 % | 0,60 |
Quelle: KIHD, 2.315 finnische Männer, mediane Nachbeobachtung 20,7 Jahre [1]. Die Anteile der Verstorbenen sind Rohwerte. Die HR-Werte sind für Risikofaktoren adjustiert. Die oberste Gruppe war klein: nur 201 Männer.
Eine Folgestudie von 2017 an denselben Männern legte nach: 4 bis 7 Saunagänge pro Woche waren mit einem um 66 % niedrigeren Demenzrisiko und einem um 65 % niedrigeren Alzheimer-Risiko verbunden [2].
Eine wichtige Einschränkung. Das sind Beobachtungsstudien, kein Beweis. Vielleicht saunieren gesündere Menschen einfach öfter. Dann käme die Gesundheit zuerst, nicht die Sauna. Auch Bildung, Einkommen und Lebensstil lassen sich in einer reinen Männer-Kohorte aus Finnland nie ganz herausrechnen. Der Effekt blieb trotzdem bestehen, auch nachdem die Forscher Rauchen, Alkohol, Blutdruck und Diabetes herausgerechnet hatten [1].
Die KIHD-Saunagänge fanden in klassischer finnischer Trockensauna mit niedriger Luftfeuchte statt. Im Schnitt hatte die Kabine rund 79 °C (Spanne 40 bis 100 °C). Ein Gang dauerte im Schnitt rund 14 Minuten (Spanne 2 bis 90 Minuten) [1]. Die Männer mit 4 bis 7 Gängen pro Woche saßen sogar in etwas kühleren Saunen (rund 77 °C) als die Männer mit einem Gang (rund 80 °C). Sitzungen über 19 Minuten betrafen nur knapp ein Viertel der Kohorte. Sie hingen mit dem Herz-Todesrisiko zusammen, nicht mit der Sterblichkeit insgesamt.
Wie KIHD-typische Sauna-Frequenzen in DACH aussehen
- Stufe A (rund 130 bis 550 € pro Monat): 2 Besuche pro Woche in einer Therme oder Hallenbad-Sauna, also 8 bis 9 im Monat. Damit liegst du schon deutlich über der KIHD-Referenzgruppe mit einem Gang pro Woche. Plane 3 bis 4 Saunagänge à 15 Minuten pro Besuch. Typische Preise 2026:
- Gemeinde-Schwimmbad mit Sauna: rund 15 bis 25 € pro Abend- oder Tageskarte (z. B. SWM-Hallenbad-Saunen in München ab ~17,50 € Abendpreis, andere kommunale Bäder ähnlich).
- Therme Erding Tageskarte mit Saunen (VitalTherme & Saunen): 62 € werktags, 69 € am Wochenende, 4 Stunden 47 €.
- Vabali Berlin: ab 36,50 € (4-Stunden-Ticket werktags) bis rund 51,50 bis 56,50 € (Tageskarte werktags/Wochenende).
- Therme Wien Tageskarte mit Kabine inkl. Sauna: 59 € (dynamische Preise).
- Stufe B (rund 150 bis 300 € pro Monat): einmal pro Woche Therme plus eine Heimsession pro Woche in einer gemieteten oder kleinen Heimsauna.
- Stufe C (Heimsauna 2.500 bis 6.000 € für ein Fass oder eine Fichten-Kabine, plus 20 bis 40 € Strom pro Monat): 4 bis 7 Sitzungen pro Woche. Diese Frequenzspanne spiegelt das Sauna-Verhalten der finnischen KIHD-Kohorte (KIHD 2015, beobachtend). Wenn du vorher 3x pro Woche für etwa 40 € in die Therme gegangen bist, rechnet sich eine 4.000-€-Heimsauna in etwa 8 Monaten, Strom schon eingerechnet. Brandrisiko und Lüftung sind real: Einbau nur durch einen geschulten Saunabauer.
Ist Sauna gut fürs Herz? Warum sie wie sanftes Cardio wirkt
Ein klassischer finnischer Saunagang bei 80 bis 100 °C löst eine kurze Körperreaktion aus, ähnlich wie moderate Bewegung:
- Herzfrequenz steigt auf rund 100 bis 140 Schläge pro Minute. Das entspricht leichtem Cardio. In einer Laborstudie trieben 30 Minuten bei 73 °C den Puls auf rund 131 Schläge pro Minute [12].
- Blutgefäße weiten sich (Vasodilatation). Der Blutdruck sinkt während und nach der Sitzung [3].
- Schweißverlust liegt bei etwa 0,5 Liter pro Sitzung. Das Herz muss mehr arbeiten.
Über Wochen und Monate zeigen kontrollierte Studien echte Verbesserungen bei [4]:
- Arterieller Steifigkeit (die Pulswelle läuft glatter durch Arme und Beine).
- Endothelfunktion (die innere Auskleidung der Blutgefäße).
- Blutdruck, besonders der obere Wert, nach 4-wöchigen Programmen.
Wenn du trainierst, kann eine Sauna danach die Effekte sogar verstärken. Eine randomisierte Studie von 2022 (American Journal of Physiology) begleitete wenig aktive Erwachsene mit mindestens einem Herz-Risikofaktor 8 Wochen lang [5]. Eine Gruppe trainierte nur (16 Personen). Eine trainierte und saß danach 15 Minuten in der Sauna (15 Personen hielten bis zum Ende durch). Eine dritte Gruppe tat beides nicht. Die Saunagruppe schnitt besser ab:
- VO2max (Maß für die Ausdauerfitness): +2,7 mL/kg/min mehr als Training allein (Differenz zwischen den Gruppen, 95 % KI +0,2 bis +5,3). Zum Vergleich: Mit Training allein ging es von 29,4 auf 32,0 mL/kg/min, also +2,6 mL/kg/min [5].
- Systolischer Blutdruck (oberer Wert): zusätzlich rund 8 mmHg niedriger als mit Training allein [5].
- Gesamtcholesterin: ebenfalls niedriger als mit Training allein [5].
Kleine Studie, aber die Richtung ist die umgekehrte der oft gehörten Aussage. Eine Sauna direkt nach dem Training hat in dieser Gruppe die Trainingsanpassung nicht ausgebremst.
Für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht hart trainieren können, bietet Sauna einen Teil der Herz- und Gefäßanpassungen. Und zwar ohne Belastung der Gelenke. Sie ergänzt strukturiertes Training, ersetzt es aber nicht.
Was machen Hitzeschockproteine in der Sauna?
Wenn dein Körper Hitzestress erlebt, bildet er eine Familie von Proteinen, die Hitzeschockproteine (HSPs) heißen. Besonders HSP70 und HSP90. Die Aufgaben:
- Anderen Proteinen helfen, ihre richtige 3D-Struktur zu halten oder wiederherzustellen.
- Zellen vor oxidativem Stress schützen (Schäden durch instabile Moleküle).
- In Tierstudien mit längerem Leben und mit weniger Proteinverklumpung verknüpft (ein Prozess, der bei Alzheimer und Parkinson eine Rolle spielt).
Beim Menschen stieg HSP72 (ein Vertreter der HSP70-Familie) in einer kleinen Laborstudie mit jungen Erwachsenen nach 30 Minuten bei 73 °C um rund die Hälfte [12]. Regelmäßiges Saunieren scheint eine Hormesis-Reaktion anzustoßen: kleine, kontrollierte Dosen Stress, die Zellen widerstandsfähiger machen. Es funktioniert wie Krafttraining. Du stresst die Muskeln, damit sie stärker werden.
Ein wichtiger Punkt. Die Übertragung der HSP-Befunde aus Tierstudien auf echte menschliche Gesundheitsergebnisse ist noch nicht abschließend geklärt. Die klinischen Daten zu Herz und Sterblichkeit sind stärker als die HSP-Mechanismusdaten.
Wie oft und wie lange in die Sauna?
Ziel sind 4 bis 7 Saunagänge pro Woche in einer klassischen finnischen Trockensauna. Auf dieser Frequenz beruhen die Sterblichkeitsdaten [1]. Die KIHD-Männer saßen im Schnitt rund 14 Minuten bei etwa 79 °C [1]. Viele teilen einen Besuch in mehrere kürzere Runden mit Abkühlung dazwischen. Das ist kein medizinischer Rat.
Frequenz: 4 bis 7 Mal pro Woche zeigte die stärksten Effekte. Auch 2 bis 3 Mal pro Woche war mit 24 % geringerer Gesamtsterblichkeit verbunden als einmal pro Woche [1]. Einmal pro Woche war die Vergleichsgruppe. Die 12 Männer ganz ohne Sauna wurden ausgeschlossen. Was gar keine Sauna bewirkt, kann die Studie also nicht sagen.
Dauer: In der KIHD-Kohorte lag die mittlere Sitzungsdauer bei rund 14 Minuten (Spanne 2 bis 90). Die KIHD-Studie verknüpfte Sitzungen über 19 Minuten, also knapp ein Viertel der Kohorte, mit besseren Herz-Ergebnissen. Mit der Sterblichkeit insgesamt hingen sie nicht zusammen [1]. Praktisch heißt das: 2 bis 3 Gänge à 10 bis 15 Minuten mit Abkühlung dazwischen. Wird dir schwindelig, geh früher raus. Mehrere kürzere Runden sind in Finnland und in der DACH-Sauna-Kultur üblich.
Temperatur: Die finnische Sauna läuft meist bei 80 bis 100 °C mit niedriger Luftfeuchte. Infrarotsaunen bei 50 bis 60 °C sind angenehmer. Aber die großen Sterblichkeitsstudien lieferten ihre Daten aus der finnischen Trockensauna. Die Übertragung auf Infrarot ist nicht geklärt.
Flüssigkeit: 0,5 bis 1 Liter Wasser vor und nach dem Saunagang. Elektrolyte sind bei längeren oder häufigeren Sitzungen sinnvoll.
Zeitpunkt: Sauna am Abend kann den Schlaf verbessern. Danach sinkt deine Kerntemperatur. Genau dieser Abfall hilft beim Einschlafen.
Mit Sport kombiniert: Sauna nach Kraft- oder Cardiotraining ist in Finnland Standard. Sie scheint die Erholung nicht zu stören. Vor einem wichtigen Wettkampf oder einer harten Trainingseinheit lieber auslassen. Eine Sitzung entzieht dir Flüssigkeit.
Aufguss-Etikette in deutscher oder österreichischer Therme
In finnisch geprägter und in der DACH-Thermenkultur gelten klare Konventionen. Auf einem Handtuch sitzen, das jeden Hautkontakt mit dem Holz abdeckt. Keine Badehose. Textil- und Saunabereich sind getrennt, die Saunaseite ist textilfrei. Während eines Aufgusses leise hinein- und hinausgehen. Grob rotieren: 15 Minuten heiß, dann kalte Dusche oder Tauchbecken, dann 5 bis 10 Minuten Ruhe in ein Handtuch gewickelt, insgesamt 3 Runden. Wasser zwischen den Runden trinken, nicht während eines Gangs. Das Tauchbecken ist ein eigener Kältereiz zusätzlich zur Hitze.
Wann ist Sauna gefährlich?
Sauna ist nicht für jeden geeignet. Sprich vor regelmäßigem Saunieren mit deinem Arzt, wenn du:
- Herz- oder Gefäßerkrankungen hast (instabile Angina pectoris, kürzlicher Herzinfarkt, schwere Aortenstenose, also eine verengte Herzklappe). Diese drei gelten als klare Gründe, die Sauna zu meiden [10]. Menschen mit stabiler koronarer Herzkrankheit oder länger zurückliegendem Herzinfarkt vertragen Sauna meist gut [10].
- Unkontrollierten niedrigen Blutdruck oder sehr hohen Blutdruck hast.
- Schwanger bist, besonders im ersten Trimester. Die Sorge dahinter: Steigt die Körperkerntemperatur der Mutter in Woche 4 bis 6 über etwa 39 °C, fällt das in die Zeit, in der sich das Neuralrohr schließt. Daraus entstehen Gehirn und Rückenmark. Gepoolte Studien verknüpfen starke Überwärmung in der Frühschwangerschaft, etwa durch Fieber, mit etwa doppeltem Risiko für Neuralrohrdefekte [8]. Eine Übersichtsarbeit hält Sauna in einer unkomplizierten Schwangerschaft gesunder Frauen für sicher [10]. Halte die Gänge trotzdem kürzer und kühler. Im Zweifel im ersten Trimester aussetzen und mit der Frauenärztin abstimmen.
- Fieber oder akute Infekte hast.
- Bestimmte Hauterkrankungen hast, die sich bei Hitze verschlimmern.
Alkohol vor oder in der Sauna ist in Finnland der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für Todesfälle in der Sauna. Das zeigte eine rechtsmedizinische Auswertung im Journal of Forensic Sciences (2008) [7]. In rund der Hälfte der Fälle war Alkohol im Spiel. Etwa die Hälfte (51 %) waren natürliche Todesfälle, bei denen die Hitze eine bestehende Krankheit zum Kippen bringen kann. Hitze selbst war in 25 % die Ursache [7]. Insgesamt bleibt ein Tod in der Sauna selten: weniger als 2 pro 100.000 Menschen im Jahr in Finnland [7]. Am Saunatag besser keinen Alkohol, oder nur wenig und erst nach der Sitzung.
Kinder und ältere Menschen sollten kürzere Sitzungen bei niedrigerer Temperatur machen.
Wenn dir schwindelig oder übel wird, du Brustschmerzen oder starkes Herzklopfen spürst, verlasse die Sauna sofort. Kühle langsam ab. Hol dir ärztliche Hilfe, wenn die Symptome bleiben.
Medikamente und Sauna
Sprich vor regelmäßigem Saunieren mit deinem Arzt, wenn du einnimmst:
- Betablocker: Der Puls steigt weniger als sonst. Beim Aufstehen kann der Blutdruck absacken.
- Diuretika (Entwässerungsmittel): verstärken den Flüssigkeitsverlust durch Schweiß.
- SSRI und Blutdrucksenker: weiten die Gefäße zusätzlich. Schwindel- und Ohnmachtsrisiko steigt.
- Benzodiazepine und Opioide: dämpfen das Gefühl für Überhitzung, sodass du zu lange drin bleibst.
- Antikoagulanzien (Blutverdünner): erhöhtes Risiko für blaue Flecken durch den Kälteschock, wenn du Kontrastbäder machst.
Insulinpflichtige Diabetiker sollten den Blutzucker vor und nach der Sauna messen. In einer kleinen Studie beschleunigte ein Saunagang die Insulinaufnahme aus der Spritzstelle um 110 %. Der Blutzucker lag danach 3,0 bis 3,3 mmol/l tiefer als an einem normalen Tag [11]. Ein Snack oder eine kleinere Insulindosis kann das verhindern [11]. Nichts davon ist ein Grund, auf Sauna zu verzichten. Es ist ein Grund für ein kurzes Gespräch mit deinem Arzt.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft sollte man für Longevity-Effekte in die Sauna gehen?
Die finnische KIHD-Studie zeigte die stärksten Effekte bei 4 bis 7 Saunagängen pro Woche (HR 0,60 für Gesamtsterblichkeit) [1]. Schon 2 bis 3 Mal pro Woche war mit 24 % geringerer Gesamtsterblichkeit verbunden als einmal pro Woche [1]. Einmal pro Woche war die Vergleichsgruppe. Was ein Gang pro Woche für sich allein bringt, kann die Studie also nicht sagen.
Wie lange sollte man in der Sauna bleiben?
In der großen finnischen Studie dauerte ein Saunagang im Schnitt rund 14 Minuten [1]. Wer über 19 Minuten blieb, hatte etwa halb so oft einen plötzlichen Herztod wie Männer unter 11 Minuten (HR 0,48) [1]. Die Sterblichkeit insgesamt sank durch längere Sitzungen aber nicht. Die Häufigkeit zählte mehr [1]. Praktisch heißt das: 2 bis 3 Gänge à 10 bis 15 Minuten mit Abkühlung dazwischen. Wird dir schwindelig, geh früher raus.
Ist Infrarotsauna genauso gut wie finnische Sauna?
Die großen Longevity-Studien liefen an traditioneller finnischer Trockensauna (im Mittel rund 79 °C und 14 min pro Sitzung) [1]. Infrarotsaunen (50 bis 60 °C) sind nicht direkt vergleichbar. Kleinere Studien zu Infrarot zeigen positive Effekte auf Blutdruck und Erholung. Sterblichkeitsdaten gibt es für dieses Format aber nicht.
Senkt Sauna wirklich den Blutdruck?
Kurzfristig ja, langfristig vielleicht ein wenig. Eine einzelne Sitzung senkt den oberen Blutdruckwert meist um etwa 5 bis 8 mmHg. Der Effekt hält über die rund 30-minütige Erholungsphase an. Eine finnische Akutstudie (Journal of Human Hypertension, 2018) maß zum Beispiel etwa 7 mmHg Rückgang nach 30 min bei 73 °C. Der niedrigere obere Wert blieb über die 30 Minuten Erholung erhalten [3]. Mehrwöchige Programme mit 3 bis 4 Saunagängen pro Woche scheinen den Ruheblutdruck nur wenig zu senken, typischerweise um wenige mmHg im Mittel. Die Schätzungen schwanken stark. Oft schließt die Unsicherheitsspanne auch null Effekt ein. Bei sehr niedrigem Ausgangsblutdruck ist Vorsicht geboten.
Was sind Hitzeschockproteine und warum sind sie für Longevity wichtig?
Hitzeschockproteine (HSPs) sind Moleküle, die dein Körper bei Hitzestress bildet. HSPs helfen anderen Proteinen, ihre richtige Form zu halten. Außerdem schützen sie Zellen vor oxidativen Schäden. In Tierstudien sind HSPs mit längerem Leben und weniger Proteinverklumpung (wie bei Alzheimer) verknüpft. Beim Menschen stieg HSP72 in einer kleinen Laborstudie nach 30 Minuten bei 73 °C um rund die Hälfte [12]. Der Mechanismus ist plausibel. Die Brücke vom HSP-Anstieg zu echten Longevity-Effekten ist aber noch nicht abschließend geklärt.
Kann ich die Sauna durch ein heißes Bad ersetzen?
Teilweise. Eine japanische Kohortenstudie mit rund 30.000 Menschen (Heart, 2020) zeigte, dass häufiges heißes Baden mit einem niedrigeren Herz- und Gefäßrisiko verbunden war [6]. Fast tägliches Baden ging mit einem 28 % geringeren Risiko für Herzkrankheit und Schlaganfall insgesamt einher als 0 bis 2 Mal pro Woche (HR 0,72) [6]. Die Wassertemperatur spielte keine klare Rolle. Warmes und heißes Wasser sah auf dem Papier etwas besser aus (warm ~26 %, heiß ~35 % niedriger vs. lauwarm). Der Unterschied war aber nicht signifikant. Eine beste Temperatur nannte die Studie nicht [6]. Der Effekt wirkte kleiner als in den finnischen Sauna-Studien. Der Mechanismus (Hitzegewöhnung, HSP-Aktivierung, weiter werdende Blutgefäße) ist aber ähnlich. Wenn Sauna nicht geht, ist regelmäßiges heißes Baden eine plausible Alternative.
Kann man in der Sauna sterben?
Ja, aber es ist selten. Eine finnische rechtsmedizinische Auswertung der Jahre 1990 bis 2002 fand weniger als 2 Todesfälle pro 100.000 Einwohner und Jahr, in einem Land mit rund 2 Millionen Saunen für 5,2 Millionen Menschen [7]. Etwa die Hälfte waren natürliche Todesfälle. Hitze selbst war in 25 % die Ursache [7]. Die Hälfte der Verstorbenen hatte Alkohol getrunken [7]. Das größte vermeidbare Risiko ist also Alkohol. Lass niemanden betrunken allein in der Sauna.
Ab wann darf ich nach einem Herzinfarkt wieder in die Sauna?
Nicht sofort. Ein frischer Herzinfarkt, instabile Angina pectoris und eine schwere Aortenstenose sind Gründe, die Sauna zu meiden [10]. Ist die Lage stabil, vertragen die meisten Menschen mit koronarer Herzkrankheit Sauna gut, auch nach einem länger zurückliegenden Herzinfarkt [10]. Wann du wieder darfst, hängt davon ab, wie dein Herz verheilt ist. Lass dich deshalb erst von deinem Kardiologen oder in der Reha freigeben. Starte dann mit kurzen Gängen bei milderer Hitze. Das eiskalte Tauchbecken lässt du anfangs weg.
Senkt Sauna das Demenzrisiko?
In derselben finnischen Kohorte mit 2.315 Männern über rund 20 Jahre hatten Männer mit 4 bis 7 Saunagängen pro Woche ein um 66 % niedrigeres Demenzrisiko und ein um 65 % niedrigeres Alzheimer-Risiko als Männer mit einem Gang pro Woche [2]. Das sind Beobachtungsdaten, also ein Zusammenhang, kein Beweis. Ein möglicher Weg führt über Gefäße und Blutdruck. Geklärt ist das nicht.
Gelten die Sauna-Studien auch für Frauen?
Die bekannte Studie von 2015 schloss nur Männer ein [1]. Eine spätere finnische Auswertung mit 1.688 Erwachsenen, davon rund die Hälfte Frauen, fand dasselbe Muster [9]. Verglichen mit einem Saunagang pro Woche gingen 4 bis 7 Gänge mit einem deutlich geringeren Risiko einher, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben (HR 0,23). Das galt auch nach Herausrechnen von Bewegung, sozialem Status und anderen Risikofaktoren [9]. Die oberste Gruppe war klein, die Unsicherheitsspanne ist entsprechend breit. Eine große japanische Kohorte mit Männern und Frauen sah einen ähnlichen Zusammenhang beim heißen Baden [6].
Quellen
- Laukkanen T, Khan H, Zaccardi F, Laukkanen JA. (2015). Association Between Sauna Bathing and Fatal Cardiovascular and All-Cause Mortality Events. JAMA Internal Medicinedoi:10.1001/jamainternmed.2014.8187
- Laukkanen T, Kunutsor SK, Kauhanen J, Laukkanen JA. (2017). Sauna bathing is inversely associated with dementia and Alzheimer's disease in middle-aged Finnish men. Age and Ageingdoi:10.1093/ageing/afw212
- Laukkanen T, Kunutsor SK, Zaccardi F, Lee E, Willeit P, Khan H, Laukkanen JA. (2018). Acute effects of sauna bathing on cardiovascular function. Journal of Human Hypertensiondoi:10.1038/s41371-017-0008-z
- Laukkanen JA, Laukkanen T, Kunutsor SK. (2018). Cardiovascular and Other Health Benefits of Sauna Bathing: A Review of the Evidence. Mayo Clinic Proceedingsdoi:10.1016/j.mayocp.2018.04.008
- Lee E, Kolunsarka I, Kostensalo J, et al.. (2022). Effects of regular sauna bathing in conjunction with exercise on cardiovascular function: a multi-arm randomized controlled trial. American Journal of Physiology-Regulatory, Integrative and Comparative Physiologydoi:10.1152/ajpregu.00076.2022
- Ukai T, Iso H, Yamagishi K, et al.. (2020). Habitual tub bathing and risks of incident coronary heart disease and stroke. Heartdoi:10.1136/heartjnl-2019-315752
- Kenttämies A, Karkola K. (2008). Death in Sauna. Journal of Forensic Sciencesdoi:10.1111/j.1556-4029.2008.00703.x
- Moretti ME, Bar-Oz B, Fried S, Koren G. (2005). Maternal hyperthermia and the risk for neural tube defects in offspring: systematic review and meta-analysis. Epidemiologydoi:10.1097/01.ede.0000152903.55579.15
- Laukkanen T, Kunutsor SK, Khan H, Willeit P, Zaccardi F, Laukkanen JA. (2018). Sauna bathing is associated with reduced cardiovascular mortality and improves risk prediction in men and women: a prospective cohort study. BMC Medicinedoi:10.1186/s12916-018-1198-0
- Hannuksela ML, Ellahham S. (2001). Benefits and risks of sauna bathing. The American Journal of Medicinedoi:10.1016/s0002-9343(00)00671-9
- Koivisto VA. (1980). Sauna-induced acceleration in insulin absorption from subcutaneous injection site. BMJdoi:10.1136/bmj.280.6229.1411
- Iguchi M, Littmann AE, Chang SH, Wester LA, Knipper JS, Shields RK. (2012). Heat stress and cardiovascular, hormonal, and heat shock proteins in humans. Journal of Athletic Trainingdoi:10.4085/1062-6050-47.2.184
Sauna-Treffs in deiner Stadt
In vielen unserer Chapter gibt es regelmäßige Sauna-Runden zum Netzwerken und für gute Gespräche. Finde Events in deiner Nähe und triff andere Longevity-Interessierte.
Events in meiner Nähe findenVerwandte Ratgeber
Erstellt von Maurice Lichtenberg, Gründer, Longevity Cities
Die hier bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich Bildungszwecken. Longevity China bietet keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Suche bei Fragen zu medizinischen Zuständen immer den Rat qualifizierter Gesundheitsdienstleister.
