Wer ist Bryan Johnson?
Bryan Johnson ist US-Tech-Unternehmer, geboren am 22. August 1977. Er hat Braintree für rund 800 Mio. $ an PayPal verkauft. Seit 2021 steckt er nach eigenen Angaben etwa 2 Mio. $ pro Jahr in ein striktes Longevity-Projekt namens Blueprint, das er selbst öffentlich dokumentiert.
Blueprint ist ein extrem strukturiertes Protokoll. Johnson hat es mit einem Team aus Ärzten und Forschern entwickelt. Blueprint selbst spricht von „67 Interventionen auf Basis von mehr als 1.000 klinischen Studien“. Johnsons erklärtes Ziel ist es, sein biologisches Altern messbar zu verlangsamen, oder, wie er es provokant formuliert: „Don't Die“.
Er veröffentlicht fast alles: Biomarker, Ernährungspläne und die komplette Supplement-Liste. Das hat ihm riesige Reichweite gebracht und ebenso harte Kritik aus der Wissenschaft. Die Reaktionen reichen von „interessantes Selbstexperiment mit transparenten Daten“ bis „PR-Projekt mit fragwürdiger Evidenzbasis“. Beide Seiten haben legitime Argumente.
Stand 2026. 2023 erschien sein Buch Don't Die, 2025 auf Netflix die Doku Don't Die: The Man Who Wants to Live Forever. Mitte 2026 machte er öffentlich, dass er eine Autoimmungastritis hat. Dabei zerstört das Immunsystem die säurebildenden Zellen des Magens. Eisen und Vitamin B12 werden dann schlecht aufgenommen [11]. Erstes Warnzeichen war ein Ferritinwert (ein Maß für den Eisenspeicher), der immer wieder zu niedrig war. Inzwischen prüft er experimentelle Therapien [11].
Dieser Ratgeber schaut neutral auf das Protokoll. Er sortiert, was gut belegt ist, was experimentell bleibt und was davon für einen Durchschnittsmenschen in Deutschland überhaupt realistisch umsetzbar wäre.
Blueprint-Protokoll 2026: Tagesablauf, Ernährung, Supplements
Blueprint ruht auf sechs Säulen: einer überwiegend pflanzenbasierten Ernährung mit rund 2.250 kcal, gegessen bis 12 Uhr, rund 8,5 Stunden Schlaf mit festen Zeiten, 60 bis 90 Minuten Bewegung pro Tag, rund 5 Supplement-Kapseln täglich plus Pulver und verschreibungspflichtige Medikamente, laufendem Biomarker-Monitoring und einigen experimentellen Interventionen. Die Kernkomponenten im Detail, nach seinem veröffentlichten Protokoll von 2026 [9]:
So sieht ein Blueprint-Tag aus (Protokoll 2026) [9]
| Uhrzeit | Was |
|---|---|
| ca. 5:00 | Aufwachen ohne Wecker |
| 5:25 | Pre-Workout-Drink mit Longevity Mix und Creatin |
| 5:35 | Frühstück: Longevity Protein, Nüsse, Kollagen, Olivenöl, Beeren, dazu die Morgen-Kapseln |
| 6:00 | 60 bis 90 Minuten Training |
| 7:30 | Trockensauna, um 8:00 Rotlichttherapie |
| ca. 10:00 | Zweite Proteinmahlzeit |
| 11:00 | Super Veggie |
| 12:00 | Letzte Mahlzeit des Tages, danach die verschreibungspflichtigen Medikamente |
| 19:30 | Kurzer Spaziergang, danach Runterfahren ohne Bildschirm |
| 20:30 | Im Bett |
1. Ernährung. Rund 2.250 kcal pro Tag, überwiegend pflanzenbasiert und nährstoffdicht, mit einem sehr frühen Essensfenster. Den Pre-Workout-Drink gibt es um 5:25 Uhr, das Frühstück um 5:35 Uhr. Super Veggie folgt um 11 Uhr, die letzte Mahlzeit um 12 Uhr [9] (frühere Iterationen hatten 11 Uhr als Cut-off). Das sind rund 130 g Protein, 206 g Kohlenhydrate und 101 g Fett [9]. Zwei feste Hauptmahlzeiten bilden das Gerüst: Super Veggie und Nutty Pudding. Was drin ist, steht unten im Rezepte-Abschnitt, samt dem Wechsel auf das hauseigene Longevity Protein im Jahr 2026.
Kein Alkohol, kein Zucker. Frühere Versionen galten als streng vegan. Die aktuelle öffentliche Dokumentation zeigt in einzelnen Varianten allerdings kleine Mengen tierischer Zutaten.
Kurzer Reality-Check zur Kalorienzahl: 2.250 kcal sind für einen Durchschnittserwachsenen nicht extrem. Für Johnsons Größe, Gewicht und hohe tägliche Aktivität entspricht das aber etwa 10 % Defizit. Früher aß er rund 1.977 kcal (etwa 20 % Defizit). Er musste die Zufuhr wieder erhöhen, weil er zu viel Körperfett verlor.
2. Schlaf. Rund 8,5 Stunden: um 20:30 Uhr im Bett, gegen 5 Uhr ohne Wecker wach. Feste Zeiten, kühler und dunkler Raum [9].
3. Bewegung. 60 bis 90 Minuten täglich [9]. Ein Mix aus Krafttraining, Cardio, HIIT (kurze Vollgas-Intervalle mit Pausen dazwischen), Mobility und Gleichgewicht.
4. Supplements. Rund 5 Kapseln täglich zum Frühstück: Blueprint Essentials (2), Advanced Antioxidants (1), Ashwagandha & Rhodiola (1) und eine EPA/DHA-Omega-3-Kapsel [9]. Dazu kommen Pulver: der Longevity Mix (ein täglicher Drink mit 2,5 g Creatin sowie Ca-AKG, Taurin, Glycin und mehr [12]), Longevity Protein, Metabolic Protein und Kollagen. Seine Rezeptliste umfasst neun verschreibungspflichtige Medikamente [9]:
- Metformin (ein Diabetesmittel, 6 Wochen an, 6 Wochen aus)
- Tadalafil (der Wirkstoff in Cialis)
- Jardiance (Empagliflozin, ein Diabetesmittel)
- Acarbose (bremst die Aufnahme von Kohlenhydraten)
- Candesartan (ein Blutdrucksenker)
- Repatha (Spritze gegen hohes LDL-Cholesterin, alle zwei Wochen)
- Armour Thyroid und Levothyroxin (Schilddrüsenhormone, wegen einer Unterfunktion, diagnostiziert mit 21)
- Minoxidil (ein Mittel gegen Haarausfall)
Die berühmte „100+ Tabletten“-Zahl stammt aus den Iterationen 2022 bis 2023. Der aktuelle Stack enthält weiterhin NAC (N-Acetylcystein), Creatin, Kollagenpeptide, Vitamin D und Omega-3. Dazu kommt ein langes Feld an Polyphenolen und Mineralstoffen, gebündelt im Longevity Mix und in den Essentials-Kapseln.
Rapamycin gehört nicht mehr zum aktuellen Stack. Johnson hat es fast fünf Jahre lang off-label genommen. Am 28. September 2024 hat er es abgesetzt [10]. Seine Gründe: immer wieder auftretende Haut- und Weichteilinfektionen, auffällige Blutfettwerte, erhöhte Glukose und ein erhöhter Ruhepuls [10]. Der verbleibende Supplement-Stack bleibt der umstrittenste Teil des Protokolls.
5. Monitoring. Regelmäßige Bluttests, MRT, DEXA (ein Körperscan, der Knochendichte und Körperfett misst), epigenetische Alterstests und HRV (Herzfrequenzvariabilität, ein Marker für Stress und Erholung). Johnson stellt die Dashboards öffentlich online.
6. Experimentelle Interventionen. Hierzu zählt der Drei-Generationen-Plasmaaustausch mit Vater und Sohn, der nach Johnsons eigenen Angaben 2023 ohne messbaren Nutzen beendet wurde. Dazu kommen Genentherapien und intensive Hautpflege, alles Einzelfall-Versuche ohne breite wissenschaftliche Stütze.
Die Blueprint-Rezepte: Super Veggie und Nutty Pudding
Zwei Gerichte tragen das ganze Protokoll. Bryan Johnson hat beide im offen veröffentlichten Blueprint-Protokoll dokumentiert. Wir beschreiben sie hier, wir empfehlen sie nicht.
Super Veggie ist ein warmes Gemüsegericht aus Brokkoli, Blumenkohl, schwarzen Linsen, Shiitake- oder Maitake-Pilzen, Knoblauch, Ingwer, Hanfsamen, nativem Olivenöl extra, Limette, Kreuzkümmel, Apfelessig und 1 bis 4 EL fermentiertem Gemüse wie Sauerkraut oder Kimchi. Die Zubereitung ist unspektakulär: Gemüse dämpfen, Linsen kochen, alles mit Öl, Säure und Gewürzen abschmecken. In Johnsons Tagesablauf liegt es in der ersten Tageshälfte, wie das ganze Essensfenster.
Nutty Pudding ist der süße Teil: Macadamia- und Walnüsse, Chia, Leinsamen, Beeren, Granatapfelsaft und Kakao. Das 2026er-Protokoll ergänzt das hauseigene Longevity Protein mit Blueberry Nut Mix, 11 g Kollagen, natives Olivenöl extra und Beeren. Die Ursprungsversion kommt ohne Markenpulver aus, was sie für eine europäische Küche einfacher macht.
Beide Gerichte sind kein Longevity-Beweis, sondern die Essensroutine eines einzelnen Mannes. Was sich davon verallgemeinern lässt, ist unspektakulär: viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Fermentiertes, wenig Zucker. Der Longevity-Ernährungs-Guide ordnet ein, wie belastbar diese Muster in Studien wirklich sind. Und wenn du in diese Richtung kochen willst, findest du bei uns Longevity-Rezepte mit Mengenangaben und Zubereitung.
Funktioniert Blueprint? Was belegt ist und was nicht
Die Basics halten, der Rest meist nicht. Schlaf, Krafttraining plus Cardio, eine pflanzenbetonte Ernährung sowie der Verzicht auf Alkohol und Nikotin sind allesamt gut belegt. Zeitlich beschränktes Essen und Rapamycin sind plausibel, aber nicht abschließend bewiesen. Der Großteil des Supplement-Stacks, der Plasmaaustausch und ungeprüfte Kombinationen bleiben spekulativ. Die Bausteine von Blueprint stehen auf sehr unterschiedlicher Evidenzbasis.
Gut belegt:
- Regelmäßiger Schlaf hängt klar mit Herz-Kreislauf- und kognitiven Vorteilen zusammen
- Krafttraining plus Cardio gehört zu den stärksten Longevity-Signalen, die wir haben [14]
- Viel Gemüse und wenig verarbeitete Lebensmittel: breite Studienlage
- Kein Alkohol, kein Nikotin hängt mit klar niedrigerer Sterblichkeit zusammen
Plausibel, aber nicht abschließend bewiesen:
- Zeitlich beschränktes Essen (TRE): gemischte Humandaten [2]
- Kalorienrestriktion bei Normalgewichtigen: Tierdaten stark, Humandaten mäßig (CALERIE) [1, 4]
- Rapamycin off-label: Tierdaten stark [3], Humandaten noch dünn. Johnson selbst hat es wegen Nebenwirkungen abgesetzt [10]
- Frühe Essenszeit: bisher vor allem Hinweise aus Beobachtungsstudien
Spekulativ bis fragwürdig:
- Die meisten Supplements jenseits von Vitamin D, Omega-3, Creatin und Magnesium
- Plasmaaustausch zur „Verjüngung“
- Spezifische Supplement-Stacks ohne Prüfung auf Wechselwirkungen
Der Kern: Blueprint ist ein Einzelfall, keine kontrollierte Studie. Selbst wenn Johnsons Biomarker sich verbessern, beweist das nicht, dass ein bestimmter Baustein ursächlich wirkt. Es sagt auch wenig darüber aus, was bei jemand anderem passieren würde.
Kritik von Morgan Levine. Morgan Levine war Hauptentwicklerin und Erstautorin von PhenoAge, einer der bekanntesten epigenetischen Uhren [7]. (Epigenetische Uhren lesen chemische Markierungen auf deiner DNA und schätzen daraus dein biologisches Alter.) Als Johnson 2024 behauptete, er habe sein Alterungstempo um umgerechnet 31 Jahre gebremst, widersprach sie öffentlich. Eine Uhr sei „eine einzelne, unvollkommene Schätzung des Alterns, keine direkte Messung“. Ein Tempo-Wert sei zudem „nicht dafür gedacht, in ein Alter umgerechnet zu werden“ [8]. Dazu kommt: Die Werte solcher Uhren können sich auch durch kurzfristige Dinge wie Krankheit, Entzündung oder Gewichtsverlust verschieben. Lies Johnsons Aussagen zu zurückgedrehtem biologischem Alter deshalb als Reaktion der Uhr, nicht als Beleg für langsameres Altern.
Plasmaaustausch: was der Drei-Generationen-Versuch zeigte. Johnson hat 2023 einen viel beachteten Plasmaaustausch über drei Generationen gemacht, mit seinem damals 70-jährigen Vater und seinem damals 17-jährigen Sohn. Vorbild waren Parabiose-Tierdaten (Versuche, in denen junge und alte Mäuse einen gemeinsamen Blutkreislauf teilen) und die Hoffnung auf „junges Plasma als Verjüngungsfaktor“. Das Ergebnis war nüchtern: kein zusätzlicher Nutzen über Johnsons ohnehin schon optimierte Biomarker hinaus. Johnson merkte selbst an, dass junges Plasma biologisch älteren Menschen durchaus helfen könnte. Seinen Familien-Plasmaaustausch stellte er 2023 wieder ein. Später experimentierte er aber mit dem kompletten Plasmaaustausch (Total Plasma Exchange). Das ist der klarste Datenpunkt zum Thema. Will dir jemand Plasmaaustausch als Anti-Aging-Tool verkaufen? Dann solltest du diesen n=1-Versuch und sein Ergebnis kennen.
Wie setzt du das in Deutschland realistisch um?
Eine realistische europäische Version von Blueprint kostet rund 50 bis 150 € pro Monat: ein Wearable, Basis-Supplements und jährliche Tests. Johnson selbst investiert rund 2 Mio. $ im Jahr. Kopiere die Basics mit hohem Nutzen (Schlaf, Krafttraining, Pflanzen, kein Alkohol) und lass die exotischen Interventionen weg. Du lebst in Deutschland, Österreich oder der Schweiz? Dann sortier strikt nach Wirkung pro Aufwand. Das meiste am Originalprotokoll ist hier schlicht unpraktikabel.
Hoher Nutzen, niedriger Aufwand:
- Schlafhygiene: feste Zeiten, Dunkelheit, abends kein Alkohol
- Krafttraining 2 bis 3 Mal pro Woche
- 30 bis 45 Minuten Bewegung pro Tag
- Wenig verarbeitete Lebensmittel, viel Gemüse
- Kein Alkohol, kein Nikotin
Mittlerer Nutzen, mittlerer Aufwand:
- Zeitlich beschränktes Essen, etwa 10 bis 12 Stunden Fenster
- Einmal im Jahr DEXA plus großes Blutbild
- Basis-Supplements: Vitamin D, Omega-3, Magnesium, Creatin
- Whoop oder Oura für Schlaf- und HRV-Tracking
Hoher Aufwand, unklarer Nutzen. Vorsicht:
- Supplement-Stacks von 50+ Stück ohne Interaktionsprüfung
- Rapamycin off-label, rechtlich und medizinisch heikel. Siehe unseren Rapamycin-Deutschland-Ratgeber
- Sehr niedrige Kalorienzufuhr bei Normalgewicht
- Plasmaaustausch, Genentherapien
Der Großteil des Nutzens kommt aus den ersten 20 % des Aufwands. Das ist das Pareto-Prinzip, die 80/20-Faustregel.
Top 5 zum Kopieren, Top 5 zum Auslassen.
Wenn du eine Abkürzung willst, hilft diese Triage:
KOPIEREN (günstig, evidenzbasiert, geringes Risiko): feste Schlaf- und Aufstehzeiten, 2 bis 3 Krafttrainings pro Woche, täglich 30+ Minuten Bewegung, wenig verarbeitete pflanzenbetonte Ernährung, kein Alkohol, kein Nikotin.
ÜBERLEGEN: zeitlich beschränktes Essen (TRE) mit 10 bis 12 Stunden Essensfenster, Basis-Stack aus D3 plus K2, Omega-3, Magnesium und Creatin (ca. 20 bis 40 € pro Monat), jährlich DEXA plus erweitertes Blutbild, Oura, Whoop oder Polar für Schlaf- und HRV-Tracking.
OHNE ÄRZTLICHE BEGLEITUNG AUSLASSEN: Stacks mit 50+ Supplements ohne Interaktionsprüfung, sehr niedrige Kalorienzufuhr bei Normalgewicht, Plasmaaustausch und andere experimentelle Verjüngungstherapien, verschreibungspflichtige Medikamente off-label ohne behandelnden Arzt.
Blueprint für Frauen.
Blueprint ist auf einen männlichen Körper kalibriert. Bei sehr niedriger Kalorienzufuhr können menstruierende Frauen schlechter schlafen. Dazu kommen eine gestörte Stresshormon-Achse (HPA-Achse), Zyklusverschiebungen und Knochenverlust [15]. Passe Essensfenster und Kalorien an deine Physiologie an. Lass Eisen und Ferritin (deinen Eisenspeicher) regelmäßig prüfen. In der Perimenopause bleibt eine Hormonersatztherapie (HRT) eine Option (siehe Frauen-Ratgeber). Nach der Menopause bringt dir Krafttraining plus Arbeit an der Knochendichte mehr Longevity als extreme Kalorienrestriktion.
DACH-Realitätscheck.
Wenn du den Blueprint-Stack in die EU importierst, gibt es oft Ärger mit dem Zoll. Einige Zutaten sind in der EU noch nicht als Novel Food zugelassen. So heißen Lebensmittel, die vor dem 15. Mai 1997 in der EU kaum verzehrt wurden und deshalb eine eigene Zulassung brauchen. Allen voran betrifft das NMN. Die EFSA hat im Mai 2026 zwar eine positive Sicherheitsbewertung für ein NMN-Produkt veröffentlicht [13]. Solange die EU-Kommission es aber nicht in die Unionsliste zugelassener neuartiger Lebensmittel aufnimmt, darf es nicht als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden (siehe NMN-Deutschland-Ratgeber). Eine realistische europäische Version kommt mit Apotheke oder dm/Rossmann aus: D3 plus K2, Omega-3, Magnesium-Glycinat und Creatin. Dazu kommt jährlich eine DEXA-Messung in einer Radiologie-Praxis für 50 bis 120 €.
Unterm Strich: Das meiste an Blueprint ist nicht für normale Menschen gebaut. Das Protokoll setzt einen Vollzeit-Koch, eine Klinik auf Abruf, wöchentliche Blutabnahmen nach eigenem Plan und ein siebenstelliges Budget voraus. Zieh das ab. Übrig bleiben Schlaf, Training, Pflanzen und kein Alkohol. Genau das rät dir auch deine Hausarztpraxis, kostenlos.
Häufig gestellte Fragen
Funktioniert Blueprint wirklich?
Teilweise. Die Basics darin (Schlaf, Training, Pflanzen, kein Alkohol) sind gut belegt. Ob das Gesamtprotokoll das Altern bremst, ist offen. Johnson berichtet über bessere Werte bei epigenetischem Alter, Herz-Kreislauf und HRV. Verschiedene epigenetische Uhren wie Horvath, GrimAge und DunedinPACE [6] stimmen bei ein und derselben Person aber nicht immer überein. Blueprints berichtete Verbesserungen fallen je nach Uhr unterschiedlich stark aus. Ob die Gewinne am Gesamtpaket liegen oder an einzelnen Bausteinen, ist nicht geklärt. Ob es langfristig die Lebensspanne verlängert, ebenfalls nicht. Es bleibt ein n=1-Experiment: Es zeigt, was möglich ist, nicht was bei dir wirkt.
Was kostet Blueprint?
Johnson selbst zahlt nach eigenen Angaben rund 2 Mio. $ im Jahr. Teile davon kannst du über blueprint.bryanjohnson.com kaufen. Stand September 2026 kostet der Easy Stack (Longevity Mix plus Essential Capsules) 98 $, der Medium Stack 270 $ und der Big Stack 449 $, im Abo bis zu 15 % günstiger. Der Longevity Mix allein kostet 49 $ für 30 Portionen. Longevity Protein und weitere Lebensmittel kommen dazu. Wer breit kauft, landet realistisch bei 200 bis 500 $ im Monat. Die Basics mit dem meisten Nutzen kosten viel weniger (siehe die DACH-Umsetzung oben).
Sollte ich Rapamycin nehmen wie Bryan Johnson?
Johnson selbst hat Rapamycin am 28. September 2024 abgesetzt. Als Gründe nannte er immer wieder auftretende Haut- und Weichteilinfektionen, auffällige Blutfettwerte, erhöhte Glukose und einen erhöhten Ruhepuls [10]. Rapamycin off-label für Longevity ist in Deutschland rechtlich und medizinisch heikel. Es ist kein frei erhältliches Supplement. Die Evidenz beim Menschen ist noch begrenzt. Lies unseren [Rapamycin-Deutschland-Ratgeber](/de/guide/rapamycin-deutschland). Die Entscheidung gehört ins Gespräch mit einem Arzt.
Ist die Blueprint-Ernährung zu extrem?
Für die meisten Menschen ja. Strenge pflanzenbasierte Kalorienrestriktion mit frühem Essensfenster kann bei schlechter Ausführung zu Muskelverlust, Eisenmangel, B12-Mangel und sozialer Isolation führen. Die Grundideen funktionieren aber auch in milderer Form: mehr Pflanzen, weniger Zucker, größeres Frühstück als Abendessen.
Was kann ich sofort von Johnson übernehmen?
Die günstigsten Teile mit der besten Evidenz: feste Schlafzeiten, konsequentes Krafttraining, keine ultra-verarbeiteten Lebensmittel, kein Alkohol, tägliche Bewegung. Diese fünf Bausteine bringen vermutlich den Großteil des Longevity-Nutzens und kosten nichts außer Disziplin.
Wie sieht der Tagesablauf von Bryan Johnson aus?
Johnson wacht gegen 5 Uhr ohne Wecker auf. Um 5:25 Uhr gibt es einen Pre-Workout-Drink, um 5:35 Uhr Frühstück, ab 6 Uhr 60 bis 90 Minuten Training. Danach folgen Sauna und Rotlicht. Gegen 10 Uhr kommt eine zweite Proteinmahlzeit, um 11 Uhr Super Veggie, um 12 Uhr die letzte Mahlzeit. Nach einem kurzen Spaziergang um 19:30 Uhr liegt er um 20:30 Uhr im Bett. So steht es in seinem veröffentlichten Protokoll [9].
Wie viele Tabletten nimmt Bryan Johnson pro Tag?
Deutlich weniger als die berühmten 100+. Diese Zahl stammt aus 2022 bis 2023. Sein aktuelles Protokoll nennt rund 5 Supplement-Kapseln zum Frühstück (Essentials, Advanced Antioxidants, Ashwagandha & Rhodiola, EPA/DHA). Dazu kommen Pulver wie der Longevity Mix und Protein sowie neun verschreibungspflichtige Medikamente, darunter Metformin, Tadalafil, Repatha und Candesartan [9]. Die Zahl ändert sich mit jedem Update. Achte also immer aufs Datum einer Liste.
Was ist im Longevity Mix von Bryan Johnson?
Longevity Mix ist Blueprints Pulver für einen täglichen Drink. Laut Blueprint stecken darin 2,5 g Creatin-Monohydrat sowie Calcium-Alpha-Ketoglutarat (Ca-AKG), Magnesium, Glucosamin, Theanin, Vitamin C, Glycin, Taurin, L-Lysin, Glutathion und Natriumhyaluronat [12]. 30 Portionen kosten im US-Shop 49 $. Johnson trinkt ihn um 5:25 Uhr mit extra Creatin, insgesamt 7,5 g [9]. Creatin ist gut untersucht. Bei den meisten anderen Zutaten stützt sich der Anti-Aging-Nutzen auf Tier- oder kleine Humanstudien. Sieh ihn als bequemes Produkt, nicht als bewiesene Anti-Aging-Formel.
Ist Bryan Johnson krank?
Ja. Mitte 2026 machte Johnson öffentlich, dass er eine Autoimmungastritis hat. Dabei zerstört das Immunsystem die säurebildenden Zellen des Magens. Eisen und Vitamin B12 werden dann schlecht aufgenommen. Erstes Anzeichen war ein Ferritinwert (ein Maß für den Eisenspeicher), der immer wieder zu niedrig war. Eine Magenspiegelung mit Gewebeproben brachte die Diagnose [11]. Gute Therapien fehlen bisher. Standard sind Eisenersatz und regelmäßige Kontrollen auf Magenkrebs, der bei dieser Erkrankung häufiger vorkommt [11]. Ein Einzelfall kann nicht zeigen, ob sein Protokoll dabei eine Rolle spielt.
Quellen
- Ravussin E, Redman LM, Rochon J, et al.. (2015). A 2-Year Randomized Controlled Trial of Human Caloric Restriction: Feasibility and Effects on Predictors of Health Span and Longevity. Journals of Gerontology Series Adoi:10.1093/gerona/glv057
- Lowe DA, Wu N, Rohdin-Bibby L, et al.. (2020). Effects of Time-Restricted Eating on Weight Loss (TREAT). JAMA Internal Medicinedoi:10.1001/jamainternmed.2020.4153
- Harrison DE, Strong R, Sharp ZD, et al.. (2009). Rapamycin fed late in life extends lifespan in genetically heterogeneous mice. Naturedoi:10.1038/nature08221
- Kraus WE, Bhapkar M, Huffman KM, et al.. (2019). 2 years of calorie restriction and cardiometabolic risk (CALERIE): exploratory outcomes of a multicentre, phase 2, randomised controlled trial. Lancet Diabetes & Endocrinologydoi:10.1016/S2213-8587(19)30151-2
- López-Otín C, Blasco MA, Partridge L, Serrano M, Kroemer G. (2023). Hallmarks of aging: An expanding universe. Celldoi:10.1016/j.cell.2022.11.001
- Belsky DW, Caspi A, Corcoran DL, et al.. (2022). DunedinPACE, a DNA methylation biomarker of the pace of aging. eLifedoi:10.7554/eLife.73420
- Levine ME, Lu AT, Quach A, Chen BH, et al.. (2018). An epigenetic biomarker of aging for lifespan and healthspan. Agingdoi:10.18632/aging.101414
- NMN.com. (2024). Longevity Expert Explains How Bryan Johnson Has Not Reduced His Pace of Aging by 31 Years
- Johnson B. (2026). Blueprint protocol (abgerufen am 23. September 2026)
- Johnson B. (2025). I stopped taking Rapamycin
- Todd S. (2026). Bryan Johnson's chronic disease is notoriously difficult to diagnose. STAT News
- Blueprint. (2026). What ingredients are in Blueprint Longevity Mix?
- EFSA NDA Panel (Turck D, Bohn T, Cámara M, et al.). (2026). Safety of beta-nicotinamide mononucleotide (β-NMN) pursuant the regulation (EU) 2015/2283 and the bioavailability of nicotinamide from this source in the context of Directive 2002/46/EC. EFSA Journaldoi:10.2903/j.efsa.2026.10007
- Momma H, Kawakami R, Honda T, Sawada SS. (2022). Muscle-strengthening activities are associated with lower risk and mortality in major non-communicable diseases: a systematic review and meta-analysis of cohort studies. British Journal of Sports Medicinedoi:10.1136/bjsports-2021-105061
- Mountjoy M, Ackerman KE, Bailey DM, Burke LM, et al.. (2023). 2023 International Olympic Committee's (IOC) consensus statement on Relative Energy Deficiency in Sport (REDs). British Journal of Sports Medicinedoi:10.1136/bjsports-2023-106994
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Erstellt von Maurice Lichtenberg, Gründer, Longevity Cities
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