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Stoffwechsel

Inkretin-Effekt (GIP und GLP-1)

ENIncretin effect (GIP and GLP-1)

Der Inkretin-Effekt beschreibt, dass oral aufgenommene Glukose eine stärkere Insulinsekretion auslöst als eine intravenös verabreichte äquivalente Glukosemenge — eine Differenz, die auf darmständige Peptide, die Inkretine, zurückgeführt wird. Die wichtigsten Inkretine sind das Glukagon-ähnliche Peptid 1 (GLP-1) aus L-Zellen im distalen Dünndarm und Kolon sowie das glukoseabhängige insulinotrope Polypeptid (GIP) aus K-Zellen im proximalen Dünndarm; gemeinsam decken sie bei Gesunden 50–70 % der postprandialen Insulinantwort ab (Baggio & Drucker, 2007). Beide Hormone binden an G-Protein-gekoppelte Rezeptoren auf pankreatischen β-Zellen und steigern die Insulinfreisetzung; GLP-1 hemmt zudem Glukagon und verlangsamt die Magenentleerung. Bei Typ-2-Diabetes ist der Effekt erheblich abgeschwächt — vor allem weil GIP seine insulinotrope Wirksamkeit auf β-Zell-Ebene einbüßt, während die GLP-1-Sekretion nur moderat vermindert ist (Nauck & Meier, 2016). GLP-1-Rezeptoragonisten und duale GIP/GLP-1-Rezeptoragonisten senkten in Studien kardiovaskuläre Ereignisse und Gesamtmortalität bei T2D-Hochrisikopatienten. Ob die endogene Inkretinaktivität Alterungsverläufe bei Stoffwechselgesunden vorhersagt, bleibt offen; die Evidenz stammt überwiegend aus T2D-Interventionsstudien (Nauck & Müller, 2023).

Quellen

  1. Baggio LL, Drucker DJ. (2007). Biology of Incretins: GLP-1 and GIP. *Gastroenterology*doi:10.1053/j.gastro.2007.03.054
  2. Nauck MA, Meier JJ. (2016). The incretin effect in healthy individuals and those with type 2 diabetes: physiology, pathophysiology, and response to therapeutic interventions. *Lancet Diabetes & Endocrinology*doi:10.1016/S2213-8587(15)00482-9
  3. Nauck MA, Müller TD. (2023). Incretin hormones and type 2 diabetes. *Diabetologia*doi:10.1007/s00125-023-05956-x