HF/LF-Verhältnis (HRV-Frequenzdomäne)
ENHF/LF ratio (HRV frequency-domain)
Geprüft von Maurice Lichtenberg
Die Frequenzdomänenanalyse der HRV zerlegt das Schlag-zu-Schlag-Intervallspektrum in Bänder: Die Hochfrequenzkomponente (HF, 0,15–0,4 Hz) spiegelt primär die respiratorische Sinusarrhythmie durch vagale Modulation wider, während die Niederfrequenzkomponente (LF, 0,04–0,15 Hz) gemischte sympathische und vagale Anteile enthält, wobei der genaue sympathische Beitrag von Atemfrequenz und Körperhaltung abhängt. Das LF/HF-Verhältnis (HF/LF ist die reziproke Form) wurde historisch als Index der sympathovagalen Balance genutzt, doch diese Interpretation ist umstritten: Die aktuelle HRV-Task-Force-Leitlinie und Folgearbeiten betonen, dass LF kein reiner Sympathikusmarker ist und dass das Verhältnis eine begrenzte physiologische Spezifität besitzt. HF-Leistung und RMSSD bleiben die besser validierten Kurzzeit-Vagusindizes; LF-Leistung und das Verhältnis sollten als ergänzende Spektraldeskriptoren und nicht als verlässliche Autonomiebalance-Parameter interpretiert werden.
Quellen
- Malik M, Bigger JT, Camm AJ, et al.. (1996). Heart rate variability: Standards of measurement, physiological interpretation, and clinical use. Task Force of the European Society of Cardiology and the North American Society of Pacing and Electrophysiology. *European Heart Journal*doi:10.1093/oxfordjournals.eurheartj.a014868
- Shaffer F, Ginsberg JP. (2017). An Overview of Heart Rate Variability Metrics and Norms. *Frontiers in Public Health*doi:10.3389/fpubh.2017.00258
