Endokrine Disruptoren (BPA, Phthalate)
ENEndocrine disruptors (BPA, phthalates)
Geprüft von Maurice Lichtenberg
Endokrin-wirksame Substanzen (EDC) sind körperfremde Verbindungen, die in Hormonsynthese, -transport, Rezeptorbindung oder -metabolismus eingreifen. Bisphenol A (BPA) und strukturverwandte Analoga (BPS, BPF) wirken vorrangig als Agonisten oder Antagonisten an Östrogenrezeptoren (ERα, ERβ) und interagieren auch mit Androgen- und Schilddrüsenhormonsignalwegen; Phthalate — weitverbreitete Weichmacher in Lebensmittelverpackungen, Medizinprodukten und Kosmetika — hemmen steroidogene Enzyme und senken so die Androgenbiosynthese. Epidemiologisch werden Assoziationen mit früherer Pubertät, verminderter Spermienqualität, polyzystischem Ovarsyndrom, Typ-2-Diabetes und Adipositas beschrieben, wobei die Kausalitätsfeststellung durch ubiquitäre Koexposition und die für viele EDC charakteristischen nicht-monotonen Dosis-Wirkungs-Kurven erschwert wird. Die EU hat BPA aus Polycarbonat-Babyflaschen verboten (2011) und schränkt es unter laufenden Regulierungsmaßnahmen schrittweise auch in anderen Lebensmittelkontaktmaterialien ein; zudem gilt ein gruppenspezifischer TDI-Wert für Phthalate, doch die Schwellenwerte bleiben umstritten; eine standardisierte kumulative Risikoabschätzung für Gemische ist in den meisten Rechtssystemen noch nicht etabliert.
