Bewegung & Training
20 Begriffe
- Aerobe Kapazität
Die aerobe Kapazität beschreibt die maximale Rate der Sauerstoffaufnahme, die der Körper bei längerer Belastung über den oxidativen Stoffwechsel zur ATP-Bildung nutzen kann. Nach der Fick-Gleichung (VO2 = Q × (a-v)O2) wird sie durch das Sauerstoffangebot (Herzminutenvolumen, Hämoglobin, Kapillarisierung) und die muskuläre Extraktion (Mitochondrienfunktion) bestimmt und meist als VO2max gemessen. Eine höhere aerobe Kapazität verbessert Ausdauer, Erholung und metabolische Belastbarkeit und ist eng mit Gesundheitsspanne und einer reduzierten kardiovaskulären sowie Gesamtmortalität verknüpft.
- Aufstehtest vom Boden (Sit-Rise-Test)
Der Sit-Rise-Test prüft, wie gut man sich auf den Boden setzen und wieder aufrichten kann, möglichst ohne Hilfe. Bewertet wird auf einer Skala von null bis zehn; für Abstützen mit Hand, Knie oder zum Ausbalancieren werden Punkte abgezogen. Er erfasst Beinkraft, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Körperzusammensetzung in einer Bewegung. In Brito und Araújos Kohorte mit 2.002 Erwachsenen im Alter von 51–80 Jahren (Eur J Prev Cardiol, 2014) hatten niedrige Werte (0–3) eine etwa 2–5-fach höhere Gesamtsterblichkeit als hohe (8–10); jeder zusätzliche Punkt entsprach rund 21% geringerem Sterblichkeitsrisiko bei einer medianen Nachbeobachtung von 6,3 Jahren.
- Dynapenie
Dynapenie ist der altersbedingte Verlust an Muskelkraft und -leistung, der unabhängig vom Verlust an Muskelmasse auftritt. Der Begriff wurde 2008 von Clark und Manini geprägt, um den Kraftverlust von der historisch massezentrierten Sarkopenie abzugrenzen. Er spiegelt neurologische Veränderungen wider — weniger motorische Einheiten, langsamere Entladungsraten, reduzierter zentraler Antrieb — und nicht allein eine Atrophie. Da Kraft die Sterblichkeit stärker vorhersagt als Masse, gilt Dynapenie heute als eigenständiger geriatrischer Risikofaktor; Schnellkrafttraining ist die wichtigste Gegenmaßnahme.
- EPOC (Sauerstoffmehraufnahme nach Belastung)
EPOC bezeichnet die nach dem Training erhöhte Sauerstoffaufnahme, während der Körper ATP und Kreatinphosphat wiederherstellt, Laktat abbaut, Sauerstoffspeicher auffüllt sowie Hormone und Körpertemperatur normalisiert. Der Effekt ist nach hochintensiver Belastung und Krafttraining am stärksten und erhöht den Gesamtenergieumsatz moderat. Obwohl oft als Nachbrenneffekt bezeichnet, ist EPOC vor allem ein physiologischer Erholungsprozess und kein primärer Mechanismus für eine relevante Fettreduktion.
- Exzentrisches Training
Exzentrisches Training betont die nachgebende Phase einer Muskelkontraktion, etwa das Absenken bei einer Kniebeuge oder einem Curl. Muskeln entwickeln exzentrisch mehr Kraft als konzentrisch und erzeugen hohe mechanische Spannung bei vergleichsweise geringem Stoffwechselaufwand. Dadurch eignet es sich gut für Kraft- und Muskelaufbau sowie zur Steigerung der Sehnensteifigkeit und kommt häufig in der Sehnenrehabilitation zum Einsatz. Ältere Menschen vertragen es gut, verzögert auftretender Muskelkater ist jedoch typisch.
- Griffkraft
Die Griffkraft ist die maximale Kraft, die beim Zusammendrücken eines Dynamometers erzeugt wird, und gilt als kostengünstiger Indikator der gesamten muskulären Funktion. In der 17-Länder-PURE-Kohorte (Leong et al., Lancet 2015; rund 140.000 Erwachsene) sagte jede Abnahme um 5 kg etwa 16% höhere Gesamtsterblichkeit voraus und übertraf den systolischen Blutdruck als Sterblichkeitsprädiktor. Sie korreliert mit neuromuskulärer Gesundheit, Ernährungszustand und Regenerationsfähigkeit und gehört zu den am besten validierten Biomarkern des biologischen Alterns.
- HIIT (Hochintensives Intervalltraining)
HIIT wechselt kurze, nahezu maximale Belastungsintervalle mit Phasen niedriger Erholungsintensität ab, meist über insgesamt 10–30 Minuten. Die intensiven Intervalle fordern Herzminutenvolumen und Mitochondrienfunktion und führen zu raschen Verbesserungen von VO2max, Insulinsensitivität und Schlagvolumen. Im Vergleich zu reinem Dauerlauf erreicht HIIT in kürzerer Zeit ähnliche oder grössere kardiorespiratorische Anpassungen und gilt daher als zeiteffiziente Longevity-Intervention, ergänzend zu Training niedrigerer Intensität.
- Isometrisches Training
Beim isometrischen Training wird die Muskulatur gegen einen unbeweglichen Widerstand angespannt, ohne dass sich der Gelenkwinkel ändert — etwa beim Unterarmstütz, Wandsitz oder im gehaltenen Mittelpunkt einer Kniebeuge. Es steigert die Sehnensteifigkeit und die winkelspezifische Kraft bei geringer mechanischer Belastung und eignet sich daher gut für die Rehabilitation. Eine Netzwerk-Metaanalyse von 2023 (Edwards et al., Br J Sports Med) mit 270 randomisierten Studien zeigte, dass isometrisches Training — insbesondere der Wandsitz — den systolischen (~8 mmHg) und diastolischen (~4 mmHg) Ruheblutdruck stärker senkt als Ausdauer- oder dynamisches Krafttraining.
- Kardiorespiratorische Fitness
Die kardiorespiratorische Fitness (CRF) bezeichnet die Fähigkeit von Herz-Kreislauf- und Atmungssystem, die Arbeitsmuskulatur bei längerer Belastung mit Sauerstoff zu versorgen, meist über VO2max quantifiziert. Sie integriert Lungenfunktion, Herzminutenvolumen, Gefässgesundheit und oxidative Muskelkapazität. Einige grosse Kohortenstudien (z. B. Mandsager et al. 2018) deuten darauf hin, dass niedrige CRF ein Mortalitätsrisiko vergleichbar mit oder höher als Rauchen, Bluthochdruck oder Diabetes tragen kann, was CRF zu einem wirksamen Longevity-Marker macht.
- Krafttraining
Krafttraining ist gezieltes Training mit Widerstand — Hanteln, Maschinen, Bändern oder dem eigenen Körpergewicht —, das neuronale Anpassungen und Muskelproteinsynthese auslöst. Neben Muskel- und Knochenaufbau verbessert es die Insulinsensitivität, die mitochondriale Funktion und die Stoffwechselgesundheit. In der Langlebigkeitsforschung wird regelmäßiges Krafttraining mit einer geringeren Gesamtsterblichkeit, dem Erhalt der Selbstständigkeit im Alter sowie einem reduzierten Risiko für Gebrechlichkeit und Stürze in Verbindung gebracht.
- Laktatschwelle
Der Begriff Laktatschwelle wird unscharf für zwei Punkte verwendet: LT1 (aerobe Schwelle, ~2 mmol/L), an der Blutlaktat erstmals über das Ruheniveau steigt, und LT2, die höchste dauerhaft tolerierbare Intensität. LT2 wird häufig über OBLA (fester Grenzwert ~4 mmol/L) oder MLSS (höchstes Laktat-Steady-State) angenähert — beide korrelieren, sind aber nicht identisch, und die absoluten Werte variieren mit Protokoll und Person. Training an diesen Schwellen erhöht mitochondriale Enzyme und Laktatclearance und steigert die dauerhaft tolerierbare Belastung.
- Maximale Herzfrequenz
Die maximale Herzfrequenz (HFmax) ist die höchste Schlagzahl pro Minute unter Ausbelastung. Sie wird vorwiegend durch Alter und Genetik bestimmt, nicht durch Training, und nimmt mit dem Alter ab. HFmax legt Trainingszonen für Zone 2 und HIIT fest. Die klassische Formel 220 minus Alter ist grob; besser validierte Gleichungen wie Tanaka (208 − 0,7 × Alter) sind genauer, vor allem bei Älteren, doch direkte Messung im Stufentest bleibt der Goldstandard.
- Mitochondriendichte
Die Mitochondriendichte bezeichnet die Anzahl und das Volumen der Mitochondrien pro Einheit Muskelgewebe. Eine höhere Dichte vergrössert die oxidative Kapazität, sodass mehr Fettsäuren und Pyruvat aerob verbrannt werden können, was Ausdauer und metabolische Flexibilität verbessert. Aerobes Training und Zone-2-Belastungen aktivieren über PGC-1α die mitochondriale Biogenese, während Alter und Inaktivität sie verringern. Eine gut erhaltene Mitochondriendichte gilt als zentral für gesundes Altern und kardiorespiratorische Fitness.
- NEAT (Aktivitätsthermogenese ohne Sport)
NEAT bezeichnet den Energieverbrauch durch alltägliche Aktivitäten außerhalb des strukturierten Sports — Gehen, Stehen, kleine Bewegungen, Hausarbeit und Haltungsarbeit. Zwischen Personen ähnlicher Körpergröße kann er um bis zu rund 2.000 Kilokalorien pro Tag schwanken und übertrifft häufig den Beitrag eines geplanten Workouts zur Energiebilanz. Ein hohes NEAT ist mit weniger viszeralem Fett, besserer Stoffwechselgesundheit und einem geringeren Sterblichkeitsrisiko durch Sitzen verbunden — und damit ein wirksamer Hebel für ein langes Leben.
- Plyometrie
Plyometrie umfasst explosive Bewegungen wie Sprünge, Hüpfer und Würfe, die den Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus nutzen: Eine schnelle exzentrische Belastung leitet eine kraftvolle konzentrische Kontraktion ein. Trainiert werden Kraftentwicklungsgeschwindigkeit, neuromuskuläre Koordination und Sehnenelastizität. Bei älteren Menschen verbessert ein dosiertes Sprungtraining die Knochendichte, das Gleichgewicht und die Reaktivkraft und wirkt so dem Leistungsdefizit entgegen, das Stürze begünstigt. Belastungsdosierung und Untergrund sind dabei wichtig, um die Gelenke zu schonen.
- Progressive Belastungssteigerung
Progressive Belastungssteigerung ist das Prinzip, die Trainingsanforderungen — Last, Volumen, Dichte, Bewegungsumfang oder Nähe zum Muskelversagen — schrittweise zu erhöhen, um weitere Anpassungen anzustoßen. Ohne sie verharrt der Körper in einem Erhaltungszustand und die Fortschritte stagnieren. Die Steigerung muss klein genug sein, um verkraftbar, und groß genug, um wirksam zu sein. Sie ist der zentrale Mechanismus für anhaltende Zuwächse an Kraft, Muskelmasse und Knochendichte.
- Ruheherzfrequenz
Die Ruheherzfrequenz (RHF) gibt die Schläge pro Minute im vollständig entspannten Zustand an, idealerweise liegend nach mehreren Minuten Ruhe oder direkt nach dem Aufwachen gemessen, und wird durch Koffein, Erkrankungen, Medikamente und Schlaf beeinflusst. Gut Trainierte haben in der Regel eine niedrigere RHF vor allem durch einen erhöhten Vagotonus, mit gesteigertem Schlagvolumen als sekundärer kardialer Anpassung. Epidemiologische Daten (z. B. Aune 2017) zeigen, dass eine erhöhte RHF mit höherer kardiovaskulärer und Gesamtmortalität verbunden ist, was sie zu einem einfachen Biomarker macht.
- Sarkopenie
Sarkopenie bezeichnet den altersbedingten Verlust an Skelettmuskelmasse, Kraft und Funktion; zu den begünstigenden Faktoren zählen anabole Resistenz, neuromuskuläre Veränderungen, chronische Entzündung und Inaktivität. Nach dem EWGSOP2-Konsens (2019) ist geringe Muskelkraft (Greifkraft oder Aufstehtest) das primäre Kriterium für eine wahrscheinliche Sarkopenie, bestätigt durch geringe Muskelquantität oder -qualität (DXA, BIA, CT/MRT); die körperliche Leistungsfähigkeit bestimmt den Schweregrad. Seit Oktober 2016 ist sie mit dem ICD-10-CM-Code M62.84 als eigenständige klinische Diagnose anerkannt.
- VO2max (maximale Sauerstoffaufnahme)
VO2max bezeichnet die maximale Rate des Sauerstoffverbrauchs unter intensiver Belastung, gemessen in mL/kg/min. Nach dem Fick-Prinzip spiegelt sie das Sauerstoffangebot (Herzminutenvolumen, Hämoglobin) multipliziert mit der muskulären Sauerstoffextraktion an den Mitochondrien wider. VO2max gehört zu den stärksten Prädiktoren der Gesamtmortalität: Höhere Werte sind in Kohortenstudien (z. B. Mandsager 2018) robust mit einer geringeren Langzeitsterblichkeit assoziiert, weshalb sie in der Longevity-Forschung als zentraler Marker der kardiorespiratorischen Fitness gilt.
- Zone-2-Training
Zone-2-Training bezeichnet ausdauerndes aerobes Training an oder knapp unterhalb der ersten Laktatschwelle (LT1, etwa 1,5–2,0 mmol/L), häufig grob bei 60–70 % der maximalen Herzfrequenz, wobei der genaue Prozentsatz individuell variiert; Laktatdiagnostik oder der Talk-Test sind präziser. In diesem Bereich liefert die Fettoxidation in langsam zuckenden Fasern den Großteil der Energie, am oberen Ende steigt der Kohlenhydratanteil. Regelmäßiges Zone-2-Training erhöht Mitochondriendichte, Kapillarisierung und metabolische Flexibilität.
